Tausende Besucher drängten sich am Wochenende in den Messehallen auf der Velo Berlin, der größten Fahrradpublikumsmesse Deutschlands. Ein besonderer Trend war auch zu erkennen. Aussteller präsentierten in diesem Jahr auffällig viele Lastenfahrräder, die womöglich in der Innenstadt bald benzinschluckende Lieferwagen und Lastwagen ersetzen könnten.

Die Kreuzberger Firma Velogista, eine Genossenschaft in Gründung, präsentierte ihr Dreirad mit einer rundherum geschlossenen Ladefläche in Orange. „Da passt eine Palette mit 250 Kilogramm Last drauf“, sagt Mariusz Nowak, Mitbegründer und einer der Fahrer.

Aber ist es nicht viel zu anstrengend, solche Lasten mit Pedaltritten zu bewegen? „Nein“, sagt Mariusz. „Mit dem kleinen Motor geht es gut.“ Tatsächlich werden diese Lastfahrräder als Pedelecs eingesetzt, also mit einem maximal 25 Kilometer schnellen Motor. Der Fahrer tritt in die Pedalen, gleichzeitig kann ihn der Motor unterstützen, je nach Bedarf auf einer Skala von 1 bis 5. „Wenn Du die Stufe 5 einstellst, musst Du kaum noch treten“, sagt Nowak. Der Motor läuft wie bei allen E-Bikes oder Pedelecs über eine Batterie, die in diesem Fall nach gut 90 Kilometern aufgeladen werden muss.

Essen auf Rädern

Nebenan hat der Verkehrsclub Deutschland seinen Stand zum Thema Lastenrad aufgebaut. Projektmanager Arne Behrensen verweist auf eine Studie des EU-geförderten Cyclelogistics-Projekts. Danach könnten in Großstädten 51 Prozent der derzeit von Autos und Lkw bewegten Lasten auch von Fahrrädern transportiert werden. Dabei gehe es um Transporte von weniger als 200 Kilogramm Gewicht auf einer Strecke von maximal 7 Kilometern.

Dafür gibt es längst Beispiele, etwa beim Transport von eiligen Medikamenten oder beim Essen auf Rädern. Auch Paketzusteller wie UPS experimentieren damit. Sie deponieren die Ware an bestimmten, dezentralen Orten. Von dort wird sie dann per Fahrrad zum Kunden gebracht.

Für Aufsehen sorgte auf der VeloBerlin in diesem Jahr auch der erste Fahrradgriff mit Federung. Die Firma Velospring präsentierte diesen edlen Holzgriff, der mit einer Torsionsfeder mit dem Lenker verbunden ist und erst vor wenigen Wochen patentiert wurde. Das soll die Hände schonen, eine Angebot gerade auch für ältere Radler.

Airbag-Fahrradhelm und andere Erfindungen

Auch bereits bewährte Innovationen fanden viel Beachtung, wie zum Beispiel Fahrräder mit nur drei Kilogramm schweren Rahmen aus Bambusholz, die der Bremer Tüftler Tobias Meyer entwickelt. „Angefangen hat alles mit einem Laufrad aus Bambus, das ich damals für meine Tochter gebaut habe“, sagt er.

Andere Erfindungen sind inzwischen deutlich günstiger geworden. So der Airbag-Fahrradhelm. Sieht aus wie ein Schal, doch ausgestattet ist das Konstrukt mit drei Sensoren. Neigt sich der Radfahrer abrupt dem Boden zu, werden die Airbags aktiviert. Jetzt kostet das in Schweden konzipierte Hightech-Gerät bei pedalum mobile nur noch 300 Euro, 100 Euro weniger als noch vor einem Jahr.