Berlin - Regenjacke und -hose waren Pflicht, dazu wetterfeste Schuhe und möglichst was Warmes zu trinken. So ausstaffiert, radelten am Sonntag Familien, Pärchen, Radwanderer und auch ein paar Sportler über 19 Routen zur Siegessäule und über die Straße des 17. Juni, wo am Brandenburger Tor das Umweltfest der Grünen Liga stattfand.

Das ist wohl übertrieben. Die Verkehrsmanagementzentrale sprach nur von 3.300 Radlern. 2012 waren es 150 000, und die jetzt erhoffte Teilnehmerzahl von 250 000 wurde klar verfehlt. Berlins ADFC-Chefin Eva-Maria Scheel findet das nicht schlimm: „Bei dem Wetter – ich bin zufrieden.“ Laut Polizei sind während der Sternfahrt drei Teilnehmer verunglückt, sie erlitten leichte Sturzverletzungen. Auch ein Polizist stürzte mit seinem Motorrad.

Nur die Härtesten kommen durch, haben sich Gabi und Rainer Hanke am Sonntagmorgen gesagt. Sie sind in Kleinmachnow gestartet und haben sich am Wannsee dem großen Pulk aus Süden angeschlossen. Zwischendurch haben sie ein paar Mal überlegt, wegen der Nässe wieder umzukehren. „Aber die große Gruppe hat uns mitgezogen.“

Über die Avus, die wie der Südabschnitt der Stadtautobahn für Autos gesperrt war, rollte der Tross in die City. „Keine Schlaglöcher, glatter Asphalt, das war richtig schön.“ Eine Frau aus Schöneberg ist allein mitgefahren, alle Bekannten hatten am Morgen abgesagt. „Es ist irre nass und glatt. Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe.“ Auch Katharina und Oliver Szustak aus Tiergarten haben mit ihren beiden Kindern guten Willen gezeigt. Zwar waren sie nicht auf ganz großer Tour, haben sich aber an der Siegessäule in den Pulk eingereiht. „Das hat Spaß gemacht“, sagt Katharina Szustak.

„Mehr Platz für Fahrräder“ – so lautet die Forderung des ADFC. Auf den Fahrbahnen müsse es mehr Radspuren geben, so Scheel. „Die Fahrradfahrer müssen runter von den Gehwegen. Wer gesehen wird, wird nicht überfahren.“ Sie kritisierte erneut, dass der Senat den Etat für die Radinfrastruktur von 5,5 Millionen Euro pro Jahr um zwei Millionen kürzen will. „Wir fordern den Finanzsenator auf, diese Ankündigung noch vor der Sommerpause zurückzuziehen.

In die Berliner Politik will sich Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) nicht einmischen. Er ist mit Katrin Göring-Eckardt und Renate Künast (beide Grüne) von Charlottenburg zur Siegessäule geradelt. Altmaier fährt seit 13 Jahren in der Stadt Rad: „Es gibt ordentliche Radwege, aber wenig Möglichkeiten, Fahrräder ordentlich abzustellen“, lautet sein Fazit.

Der Berliner Energietisch nutzte das Umweltfestival, um für die Rekommunalisierung des Stromnetzes zu werben und für ein Volksbegehren Unterschriften zu sammeln. Laut Sprecher Stephan Taschner, habe man 149 000 Unterschriften beisammen. Bis zum 10. Juni will der Energietisch 200 000 Unterschriften sammeln. „Wir sehen jetzt, dass wir das Ziel erreichen können.“