Berlin - ..sie werden immer mehr: Es ist gar nicht so lange her, da waren Radfahrer Randphänomene. Heute muss sich zumindest in den zentralen Bezirken niemand mehr alleine fühlen, wenn er sich auf den Sattel anstatt hinters Lenkrad setzt. In den vergangenen Jahren stieg der Anteil der Wege, die in Berlin mit dem Fahrrad zurückgelegt werden – jüngste offizielle Zahlen: 13 bis 15 Prozent. Und auf der Kastanienallee in Prenzlauer Berg wurden bereits mehr Fahrräder als Autos gezählt. Das schafft Sicherheit, weil Autofahrer vorsichtiger werden, wenn ihnen viele Radfahrer begegnen. Und es schafft auch ein Gefühl der Zugehörigkeit: So viele Menschen können sich doch nicht irren!

...niemand muss alleine radeln: Neu in Berlin? Oder einfach nur keine Lust auf Kartenrecherche? Wohl in keiner Stadt ist das Angebot an geführten Radtouren, an denen jeder teilnehmen kann, so groß wie hier. Ob ins Oderbruch, zur Klosterbierbrauerei in Neuzelle oder durchs Wuhletal: Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hat für jeden etwas (www.radundtouren.de). Und bei der Sternfahrt des Clubs am 14. Juni radeln wieder Zehntausende durch Berlin – sogar über die Autobahn, die auf Abschnitten gesperrt wird.

...Radfahren ist oft am schnellsten: Wer im Zentrum auf kurzen Strecken unterwegs ist, kommt auf zwei Rädern häufig am zügigsten voran. Kein Warten, keine verpassten Anschlüsse, keine Parkplatzprobleme. Vor allem: wenig Stress.

...es gibt viele schöne Wege: Schon mal auf einer der Berliner Schnellpisten für Radfahrer kräftig in die Pedale getreten – etwa entlang der Autobahn A 113 in Johannisthal oder am Hohenzollernkanal unweit vom Flughafen Tegel? Schon mal auf dem Weg am Südufer des Müggelsees durch den Wald geradelt? Oder den Havelweg in Gatow und Kladow entdeckt? Welche Metropole bietet so viele reizvolle Fahrradrouten innerhalb der Stadtgrenzen?

...es gibt immer mehr neue Wege: Sicher, der Bau von Verkehrsanlagen geht zu langsam voran. Etwa weil das Abgeordnetenhaus immer wieder Haushaltssperren verhängt und der ohnehin magere Etat dann auch noch zum Teil blockiert wird – wie 2014. Oder weil nur wenige Tiefbauämter Radverkehrsplaner haben und andere Zuständige überlastet sind. Trotzdem entstanden im vergangenen Jahr 2,2 Kilometer Radwege neu, 4,6 Kilometer wurden saniert.

Neun Kilometer Schutzstreifen wurden neu markiert. Die offizielle Liste der Projekte für 2015 ist länger. So sollen neue Radlerspuren in der Annen- und Stülerstraße (Mitte), in der Gitschiner und Skalitzer Straße (Kreuzberg) auf die Fahrbahnen gepinselt werden. Es werden auch wieder Fahrradwege saniert – etwa in der Karower Chaussee (Pankow), der Blücher-/Zossener Straße (Kreuzberg), der Seestraße (Wedding) oder in der Sangeallee (Lichtenberg). Außerdem werden weitere Radrouten ausgeschildert, zum Beispiel der Dahme-Radweg in Treptow-Köpenick.

...es ist modern: In Blechkisten sitzen, regungslos das Verfetten der Arterien zulassen – wie uncool! Radfahren ist ebenfalls Individualverkehr, aber es ist hip und wird es bleiben.