Reifen platt, Felge verbeult, Lenker ab - in Berlin stehen überall in der Stadt Fahrräder, die offensichtlich nicht mehr fahrtüchtig sind. Das Problem: Oft blockieren sie Abstellplätze für funktionierende Fahrräder. Und wer sich mit dem Rad durch die Stadt bewegt, weiß, wie schwer es ist, einen freien Fahrradbügel zu finden. Grüne und engagierte Radfahrer wollen das ändern.

Der Grünen-Abgeordnete Stefan Taschner fordert, Fahrradständer an Pendler-Hotspots und an den Bahnstationen in den Randbezirken schneller freizuräumen. Auf diese Weise möchte er Berufstätigen einen Stellplatz sichern.

Für den Grünen, der im Februar eine Anfrage zu Schrotträdern im Abgeordnetenhaus gestellt hat, sind freie Parkplätze für Räder eine Voraussetzung, um dem Auto im Berufsverkehr Konkurrenz zu machen. „Viele wollen ihre Fahrräder abstellen und sicher wieder abholen können“, sagt Taschner. Allein im vergangenen Jahr wurden 30.325 Fahrraddiebstähle von der Berliner Polizei erfasst.

Fahrradparkhäuser an den Hotspots

Wie die Grünen wünscht sich auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Berlin, dass die Fahrräder an vielfrequentierten Stellen schneller entfernt werden. Damit das Problem gar nicht erst entsteht, fordert er zusätzlich zu den regulären kostenlosen Bügeln an Hotspots auch Fahrradparkhäuser. „Wenn der Stellplatz Geld kostet, überlegen sich die Leute zweimal, ob sie das Fahrrad einfach so stehenlassen“, sagte Sprecher Nikolas Linck.

Das erste Fahrradparkhaus Berlins soll am S-Bahnhof Zehlendorf entstehen. Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf hofft, dass der Bau Ende 2020 fertiggestellt sein wird. Die Ausschreibung ist erfolgt, jetzt werden die Angebote verglichen, wie das Amt mitteilte. Weitere Parkhäuser sind nach Angaben der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz unter anderem am Ostkreuz und in Gesundbrunnen geplant.

Doch ist es überhaupt möglich, die Räder schneller loszuwerden? In Berlin sind die Bezirke für die Beseitigung von Schrotträdern aus dem öffentlichen Raum zuständig. Nicht mehr fahrtüchtige Fahrräder werden vom Ordnungsamt mit einem grünen Punkt versehen und müssen von den Besitzern innerhalb von drei Wochen entfernt werden berichtete Daniel Krüger, Bezirksstadtrat in Pankow.

Nicht abgeholte Räder werden versteigert

Geschehe das nicht, werden die Fahrräder für die nächste Abholaktion vorgemerkt. Zusammen mit der BSR und der Polizei sammle das Ordnungsamt Pankow zwei bis dreimal im Jahr die Räder ein. „Mehrere Beteiligte bedeutet auch mehrfache Abstimmung, das kostet mitunter Zeit. Für schnellere Prozesse wäre mehr Personal nötig“, sagt Krüger. 144 Fahrräder seien 2017 beseitigt worden.

Schneller geht es bei Bahn und BVG. Markierte Schrottfahrräder lässt die Bahn eigenen Angaben zufolge nach zwei Wochen, die BVG nach drei Wochen von den eigenen Grundstücken beseitigen. Diese Frist werde in der Regel eingehalten, teilten beide Unternehmen auf Anfrage mit.

Gefährden die Räder die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder behindern den Betrieb, lassen Bahn und BVG sie sogar sofort abräumen. Alle entfernten Fahrräder kommen ins Fundbüro und werden versteigert, wenn sich niemand meldet oder sie abholt, hieß es weiter. Vor der Versteigerung prüfe die Polizei, ob die Räder als gestohlen gemeldet worden sind.

Ein Bahnsprecher erklärte, dass die Bahn nicht an allen Bahnhöfen Eigner der umgebenden Flächen ist. Mit den Kommunen werde vereinbart, wer wofür zuständig ist. Etwa 200 Schrottfahrräder entsorgt die Hauptwerkstatt der Berliner S-Bahn im Jahr, sagte der Sprecher. Je Fahrrad koste das einschließlich An- und Abfahrt 45 Euro. (dpa)