Wenn man einen Platten hat, kann man nicht mehr Fahrrad fahren. Zum Glück habe ich für diesen Fall vorgesorgt und mich mit technisch versierten Freunden umgeben. Irgendwann konnte ich das ja auch mal selber: Reifen flicken. Aber das ist alles schon so lange her.

War früher auch alles besser?

Theoretisch weiß ich ja noch, wie es geht: Fahrrad auf den Kopf stellen, Rad abschrauben, Mantel runter, Reifen runter, Reifen aufpumpen, lauschen, Loch flicken und alles wieder zurück. Aber damals hatten die Räder auch noch keine Gangschaltungen und Kindersitze. Als ich jung war, gab es nur eine Luftpumpensorte und nur eine Ventilsorte. Als ich jung war, hing unterm Sattel auch noch ein kleines braunes Täschchen mit Flickzeug und Knochen. An den modernen Fahrrädern gibt’s das alles nicht mehr.

Früher konnte man die Babys übrigens auch noch im Wagen vor der Kaufhalle stehen lassen, und wenn eines geweint hat, dann haben Passanten den Wagen geschaukelt. Dafür ist in den Kaufhallen heute die Auswahl größer, und es gibt nicht nur verstaubte Zuckerrüben, Chicoree und eine Sorte Joghurt.

Irgendwann konnte man das mal - aber jetzt nicht mehr

Wenn man einen Platten im Fahrradladen heilen lässt, kostet das schnell so viel wie ein neues Fahrrad, deswegen ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, sich mal wieder bei alten Freunden zu melden. Trotzdem ist es alles nicht so einfach. Man braucht eine Luftpumpe mit dem richtigen Aufsatz. Dann muss man einen Knochen kaufen, weil der Werkzeugkasten beim letzten Kellereinbruch abhanden kam. Dann ist es geschafft, der Reifen ist prall statt platt. Aber nur für 500 Meter.

Zum Glück habe ich viele Freunde und am nächsten Tag erbarmt sich einer. Er tastet den Mantel ab, bevor er ihn wieder auf den geflickten Reifen operiert. Eine Tackernadel steckt noch drin. Deswegen war der Reifen gestern auch gleich wieder platt. Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich auf dem Radweg eine aufgebogene Tackernadel durch den Mantel bohrt? Der Mantel sei sowieso Schrott, sagt der versierte Reparateur. Kettenfett soll ich mal draufschmieren, sagt der Kumpel noch. Ich verspreche es, ja klar, irgendwann.

Aber jetzt scheint gerade die Sonne. Ich schwinge mich aufs Rad und fahre los. Die Vorderbremse greift nicht mehr. Irgendwann konnte man auch das mal: Bremsen nachziehen.