Sie stehen kreuz und quer vor Bahnhöfen, Sporteinrichtungen oder Einkaufszentren. Sie werden an Zäunen angeschlossen oder stehen einfach auf Bürgersteigen herum. Mit der Zahl der Fahrräder wächst in Berlin auch der Bedarf an Stellplätzen. Und weil sie diesen Bedarf einigermaßen decken will, erarbeitet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jetzt einen Masterplan fürs Fahrradparken.

„Im nächsten Jahr soll der Entwurf vorliegen“, sagte Burkhard Horn, Leiter der Abteilung Verkehr. Das beauftragte Ingenieurbüro wird sich auch mit einer Idee befassen, das schon seit Jahren diskutiert wird, aber bisher nicht umgesetzt wurde: Berlin soll endlich ein Fahrradparkhaus bekommen.

Wettbewerb am Bahnhof Ostkreuz

„Mögliche Standorte wären aus jetziger Sicht beispielsweise die Bahnhöfe Gesundbrunnen und Ostkreuz sowie der Hauptbahnhof“, erläutert Horn. Der Bahnhof Zoo ist demnach ebenfalls in der Diskussion. Die Ingenieure sollen Wege aufzeigen, wie ein solches Modellprojekt auf die Beine gestellt werden könnte. „In den Vorarbeiten für das Konzept zum Fahrradparken geht es auch um mögliche Betreibermodelle und um die Einbindung in das Tarifsystem des Nahverkehrs“, sagte der Planer.

Erste Detailplanungen kündigen sich in Friedrichshain an. „In Kürze fällt der Startschuss für den Wettbewerb, in dem es um die Gestaltung der Vorplätze des Bahnhofs Ostkreuz geht. Dabei wird auch die Option, dort ein Fahrradparkhaus zu errichten, eine Rolle spielen“, berichtete Horn. „Ein Teil der Fläche müsste dafür freigehalten werden.“

In Berlin sind gute Abstellmöglichkeiten für Fahrräder im Moment noch selten. Oder sie liegen versteckt wie die Stellplätze in der Tiefgarage am Potsdamer Platz, wo rund 700 Exemplare untergebracht werden können.

Warum ist Berlin noch nicht so weit? „Berlin ist für ein Fahrradparkhaus ein schwieriges Terrain“, sagte Burkhard Horn. „Anders als in vielen anderen Städten konzentrieren sich die Verkehrsströme nicht auf einen oder wenige Orte, Berlin ist polyzentral. Das macht es schwierig, einen Standort zu finden, an dem sich ein Fahrradparkhaus wirtschaftlich betreiben ließe.“ Bau und Betrieb kosten Geld.

Im brandenburgischen Bernau ist man da bereits weiter. Im Jahr 2013 öffnete am dortigen Bahnhof ein Fahrradparkhaus. Die Stadt hat rund 1,65 Millionen Euro investiert, das Land steuerte 900.000 Euro bei. Auf drei Etagen gibt es rund 600 Plätze, von denen die meisten gratis nutzbar sind. Auch abschließbare Boxen stehen bereit. Diese kosten 95 Euro pro Jahr.

Vorbild Amsterdam

Das nächste Fahrradparkhaus von Brandenburg soll im Herbst am Hauptbahnhof Potsdam öffnen. „Der Baubeginn ist für dieses Frühjahr geplant“, sagte Jan Brunzlow von der Stadtverwaltung. Das Land fördert das 650.000-Euro-Vorhaben mit 435.000 Euro. Im Parkhaus der Bahnhofspassagen stehen 1189 Quadratmeter zur Verfügung – für zirka 550 Stellplätze und einen Serviceladen. Das Parken soll Gebühren kosten, bislang war von 70 Cent bis ein Euro pro Tag die Rede. Momentan sucht die Stadt per Ausschreibung einen Betreiber für Oktober 2015 bis September 2025.

Als vorbildlich gelten die Angebote in den Niederlanden. So erhebt sich neben dem Hauptbahnhof von Amsterdam aus dem Wasser ein Betonkoloss, verteilt über drei Etagen. Über das Fahrradhochhaus, auf Niederländisch „fietsflat“ genannt, staunen viele Besucher, es ist aber lebenswichtig für die Stadt. Die Niederlande zählen mehr Fahrräder als Einwohner, Amsterdam ist keine Ausnahme. Die 810.000 Einwohner besitzen 881.000 Räder, mehr als die Hälfte fahren tagtäglich damit. Dafür gibt es nur 400.000 Parkplätze.

Deswegen ist Kreativität geboten. Außer dem „fietsflat“ und anderen Abstellanlagen im Zentrum der Stadt – überwacht und die ersten 24 Stunden gratis – gibt es Boote, auf denen man Fahrräder parken kann. Im Februar wurde angekündigt, dass 2017 nahe dem Hauptbahnhof ein Unterwasserparkhaus für 7000 Fahrräder eröffnet wird.

In Amsterdam und in anderen Großstädten versucht man auch, das Fahrradchaos einzuschränken. Etwa mit „Parkingcoaches“, Schließfächern auf der Straße für Menschen ohne Keller. Oder durch das Wegräumen von verwaisten Fahrrädern. In der City werden auf der Straße geparkte Räder nach zwei bis sechs Wochen entfernt.