Fahrradverkehr in Berlin: Zählstellen melden Rückgang

Im vergangenen Jahr schlugen die Sensoren deutlich seltener an als 2020. Die Radlobby ADFC hat eine Erklärung.

Radverkehr auf der Jannowitzbrücke in Mitte. Auf der Spreeüberquerung in Mitte wurden im vergangenen Jahr 2.654.560 Radfahrer gezählt. Im Jahr davor waren es 3.161.413.
Radverkehr auf der Jannowitzbrücke in Mitte. Auf der Spreeüberquerung in Mitte wurden im vergangenen Jahr 2.654.560 Radfahrer gezählt. Im Jahr davor waren es 3.161.413.Gerd Engelsmann

Berlin - Es ist keine gute Nachricht für alle, die sich mehr Fahrradverkehr wünschen. Offizielle Daten deuten darauf hin, dass er in Berlin im vergangenen Jahr zurückgegangen ist, nachdem er im Jahr davor deutlich gestiegen war. An den 16 automatischen Zählstellen, die sowohl 2020 als auch 2021 in Betrieb waren, wurden 10,5 Prozent weniger Radfahrer erfasst. Das ergab eine Auswertung der Berliner Zeitung.

Von Mitte nach Kreuzberg und zurück: Die Straßenverbindung, zu der die Jannowitzbrücke in Mitte gehört, erschließt zwei Berliner Stadtteile mit viel Radverkehr. So ist es kein Wunder, dass die Fahrradzählstelle an der Spreeüberquerung 2021 mehr als 2,65 Millionen Mal anschlug. Damit führte sie erneut die Berliner Rangliste an. Doch 2020 hatten die Sensoren 3,16 Millionen Mal ausgelöst. Damit hat der Radverkehr an dieser Stelle um zirka 16 Prozent abgenommen.

Auch in Biesdorf und Schöneweide lösten die Sensoren seltener aus

Auch die Daten für die Zählstelle in der Berliner Straße in Pankow, Platz zwei auf der Rangliste, zeigen einen Rückgang. Im vergangenen Jahr waren dort rund 2,05 Millionen Fahrräder unterwegs, im Jahr davor waren es noch 2,32 Millionen. Das entspricht einer Abnahme um fast zwölf Prozent.

Nicht anders war es in der Yorckstraße in Kreuzberg. Im vergangenen Jahr schlugen die Sensoren insgesamt fast 1,93 Millionen Mal an. Dagegen rollten dort im Jahr davor 2,05 Millionen Radfahrer die Straße entlang. Damit nahm der gezählte Radverkehr um rund sechs Prozent ab.

Für die übrigen Zählstellen weist der Vergleich der beiden Jahre ebenfalls Rückgänge aus. In der Monumentenstraße in Schöneberg wurden 12,2 Prozent weniger Radfahrer erfasst, am Maybachufer in Neukölln 9,3 Prozent weniger. In der Frankfurter Allee in Friedrichshain betrug die Abnahme 7,4 Prozent, in der Invalidenstraße in Mitte immerhin 2,5 Prozent. Der Trend war nicht nur im Zentrum zu beobachten. In der Alberichstraße in Biesdorf summierte sich der Rückgang auf 14,5 Prozent, in der Wilmersdorfer Prinzregentenstraße auf elf und am Kaisersteg in Schöneweide auf 4,5 Prozent.

„Unser erster Eindruck ist, dass Corona diese Zahlen maßgeblich beeinflusst hat“, sagte Susanne Grittner vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Berlin. „2020 starteten die Einschränkungen Ende März. 2021 bestanden sie – mehr oder weniger – das gesamte Jahr.“ Änderungen, die sich im ersten Pandemiejahr abzeichneten, hätten sich im vergangenen Jahr verstärkt. „2021 hatten sich andere Mobilitätsmuster und Heimarbeit weitgehend etabliert“, so Grittner. Allerdings stand dem Rückgang des Berufsverkehrs eine Zunahme des Lieferverkehrs gegenüber. Immer mehr Waren werden per Lastenrad geliefert. In eine vertiefte Analyse müsste auch einfließen, dass an einigen Zählstellen Baustellen bestanden, die die Funktion der Zählstellen beeinträchtigten – zum Beispiel in der Berliner Straße in Pankow. „Für detailliertere Aussagen müsste man die Zahlen monats- und wochentagsweise auswerten sowie Baustellen berücksichtigen.“

Deutlich mehr Radverkehr in der Frankfurter Allee als 2019

Doch die Daten zeigen auch positive Langfristtrends. So war der Radverkehr im vergangenen Jahr trotz der zwischenzeitlichen Rückgänge an mehreren Stellen immer noch stärker als 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie. So betrug der Zuwachs in der Frankfurter Allee 15,4 Prozent. Gut möglich, dass das damit zu tun hat, dass diese Ausfallstraße 2020 Pop-up-Radwege erhalten hat.