Sie sind rot und silbergrau lackiert, und sie stehen an 150 Stellen in der Stadt bereit. Unter dem Markennamen Call a Bike bietet die Deutsche Bahn (DB) in Berlin 1750 Fahrräder zur Miete an. Doch im Vergleich zum Hamburger Mietsystem Stadtrad hält sich die Nutzung in Grenzen, und der Vertrag mit dem Senat gilt nur noch bis Ende Dezember. Wie es ab 2015 weitergeht, ist ungewiss. Jetzt hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung damit begonnen, die Möglichkeiten auszuloten. „Wir wollen mit potenziellen Interessenten Gespräche führen“, sagte Burkhard Horn, der Leiter der Abteilung Verkehr.

Geplant sind „Erkundungsgespräche“ – Gespräche, bei denen der Senat ermittelt, wie groß das Interesse der Branche ist und welche Konzepte möglich sind. Danach will die Verwaltung Entscheidungen fällen. Zum Beispiel, ob sie die Suche nach einem Anbieter fortsetzt: „Es ist sinnvoll, über ein dauerhaftes Angebot nachzudenken. Aber es muss nicht auf Deubel komm ’raus ein öffentlich geförderter Mietradsystem in Berlin geben“, so Horn. Entschieden wird auch, wie die Suche gestaltet wird: „Ob es ein Vergabeverfahren mit Ausschreibung geben wird, ist noch nicht klar.“

Dass sich Berlins oberster Verkehrsplaner so abwartend äußert, hat seinen Grund in der speziellen Marktsituation in der Stadt. Das öffentliche Mietradsystem, um dessen Zukunft es geht, gilt nicht gerade als Goldgrube – im Gegenteil. Für das jetzige Angebot zahlt das Land der DB pro Jahr 900.000 Euro, für die nächsten fünf Jahre sind sieben Millionen Euro eingeplant.

Hamburg auf Platz eins

Berlin ist längst eine Fahrradstadt geworden – und damit auch eine Stadt von Fahrradbesitzern. Schätzungen zufolge kommen auf tausend Berliner bereits mehr als 700 Fahrräder. Vor allem junge Leute und Innenstadtbewohner haben fast immer eigene Zweiräder zur Verfügung – und sie nutzen sie auch.

Mit Metropolen wie London oder Barcelona, wo neue Leihradsysteme Furore machen, kann Berlin also nicht verglichen werden. „Hier wird bereits viel Rad gefahren,“ sagte Horn. Auch in Hamburg ist die Situation anders als in hier. Stadtrad Hamburg, ebenfalls eine Kooperation von DB Rent und Stadt, gilt als das erfolgreichste Fahrrad-Mietsystem in Deutschland – vom Start weg. 2012 wurden mehr als zwei Millionen Fahrten unternommen. Im vergangenen Sommer, als es 129 Stationen mit 1650 Fahrrädern gab, waren 180.000 Kunden registriert. Das sind Zahlen, von denen man in Berlin nur träumen kann.

Hier wird schon als Erfolg vermeldet, dass es von Anfang Januar bis Ende Mai dieses Jahres weit mehr als 100.000 Fahrten mit Call a Bike gab, wie Horn mitteilte. Im Juni wurden die Bahn-Räder für insgesamt fast 41.000 Fahrten genutzt – im Juni 2013 waren es nicht einmal 24.000. Die Zahl der Berliner Call-a-Bike-Kunden nahm in dieser Zeit von 58.000 auf mehr als 66.000 zu.

„Das System wird immer besser angenommen“, sagte der Leiter der Verkehrsabteilung. Die Nachfragedelle, die 2011 die Statistik verhagelt hatte, sei vorbei. Seitdem können die Räder nur an Stationen gemietet werden, und sie müssen auch wieder zu einer Station zurückgebracht werden. Bis dahin konnten die Räder an jedem Ort innerhalb des S-Bahn-Rings abgestellt werden. Viele Nutzer vermissten die Flexibilität aus der Anfangszeit und kündigten.

Call-a-Bikes sind vor allem für Berliner

Mit der jüngsten Entwicklung ist Horn auch aus einem anderen Grund zufrieden. Aktuelle Zahlen zeigen, dass 40 Prozent der Fahrten mit Call a Bike nicht länger als zehn Minuten und 70 Prozent nicht länger als 20 Minuten dauern – also relativ kurz sind. „Das ist genau das, was wir wollen“, so Horn. Was aus kaufmännischer Sicht ungünstig ist, weil es geringe Erträge bedeutet, ist für den Senat ein Beleg dafür, dass seine verkehrspolitische Strategie aufgeht. Call-a-Bikes sind nicht so sehr für die Touristen da, sondern für einheimische Berliner als Ergänzung zum Nahverkehr – etwa für die Fahrt vom S-Bahnhof nach Hause.

Auch wenn der Vertrag endet: Der Senat will dafür sorgen, dass es keine Angebotslücke gibt: „Ein Szenario, dass die DB zum 31. Dezember alle Stationen und Räder abbaut, bevor ein eventueller neuer Betreiber – der ja auch der alte sein kann – den Betrieb aufnimmt, halte ich für unwahrscheinlich“, so Horn. „Ich bin sicher, dass Übergangslösungen gefunden werden können.“