An preiswerten Wohnungen und Sitzplätzen in der U-Bahn mangelt es in Berlin. Doch Mietfahrräder gibt es reichlich – obwohl sich der Bedarf zumindest bei Berlinern in Grenzen hält. Nun wird das Angebot noch größer. Am Freitagmittag hat ein zweites großes Fahrradvermietsystem den Betrieb aufgenommen. Ab sofort warten auch blaugraue Nextbikes, vom Land Berlin subventioniert, in der Innenstadt auf Kunden – zusätzlich zu den 3500 grünsilbernen Rädern von Lidl und der Bahn. Bis 2018 soll die Zahl der Nextbikes auf rund 5500 steigen.

So viele Mieträder gibt es in keiner anderen deutschen Stadt. Sind es nicht zu viele? Zumal in Berlin, wo es im statistischen Durchschnitt pro Haushalt anderthalb Fahrräder gibt. „Das wird sich herausstellen“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) am Freitag. „Ich glaube, dass in einer 3,5 Millionen-Einwohner-Stadt, in der es viele Touristen gibt, genug Nachfrage für zwei große Fahrradvermietsysteme gibt.“ Und überhaupt: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Noch kein Rabatt für Abo-Kunden

Neben ihm gab Ralf Kalupner Interviews, Gründer und Geschäftsführer von Nextbike. „Heute ist ein schöner Tag“, sagte er. Das Leipziger Unternehmen, das in 23 Ländern auf vier Kontinenten Fahrräder vermietet, hat die Ausschreibung des Landes Berlin gewonnen. Der Vertrag wurde für fünf Jahre geschlossen, lässt eine dreijährige Verlängerung zu – und beschert Nextbike einen Landeszuschuss von maximal anderthalb Millionen Euro pro Jahr.

Gestartet wird mit 1500 Mieträdern, die an knapp 100 Stationen innerhalb des S-Bahn-Rings und in Lichtenberg angeboten werden. Bald sollen 80 bis 90 weitere Stationen dazukommen, so Sebastian Popp von Nextbike. Ursprünglich sollte es mit 2000 Rädern an 200 Stationen losgehen. Doch die Abstimmungs- und Genehmigungsprozesse dauern länger als geplant, hieß es im Senat. Zwar seien die Ämter kooperativ, lobte Popp. „Trotzdem ist es ein schwieriger Prozess, bei dem es viele Beteiligte gibt.“ Ist Berlin besonders schwierig? „Nein, in anderen Städten ist es auch so.“

Das Ziel sind rund 5500 Zweiräder an 725 Stationen. Montiert werden die Räder in Leipzig. Nextbike-Räder dürfen nur an einer Mietstation entliehen werden, und sie müssen auch wieder zu einer Station zurückgebracht werden.

Weil man aber dem Plan hinterher hinkt, dürfen die Räder vorerst innerhalb des S-Bahn-Rings überall abgestellt werden – um Kunden Wege zu ersparen. Allerdings werden dafür 50 Cent Aufpreis fällig.

Die Nutzer können unter vier Tarifmodellen wählen. Kurzzeitkunden zahlen für die ersten 30 Minuten einen Euro, für jede weitere halbe Stunde 1,50 Euro, höchstens 15 Euro am Tag. Es gibt auch einen Jahrestarif: Wer 50 Euro zahlt, darf innerhalb eines Jahres beliebig oft eine halbe Stunde lang radeln.

Wer eine VBB-Fahrcard des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg hat, kann damit die Nextbikes entriegeln und sofort losfahren. Doch anders als versprochen, bekommen Abo-Inhaber keine Vergünstigung. Noch nicht, hieß es im Senat. „Es wird verhandelt.“ Dabei gehe es um Geld, denn die Einnahmeausfälle müssen ausgeglichen werden.

DB drohen zusätzliche Kosten

Staatssekretär Kirchner hat schon Ideen für weitere Angebote: „Wir brauchen auch ein Nextcargobike“ – Lastenräder zum Mieten.

Wie berichtet hatte die Bahn die Ausschreibung des Landes verloren. Mit dem Discounter Lidl fand sie aber einen Sponsor. Nun könnte es sein, dass beide weitere Kosten schultern müssen. Die 3500 Lidl-Bikes warten nicht an Stationen auf Kunden, sondern sie stehen vielerorts in der Stadt auf Gehwegen und Plätzen verteilt – oft in großen Mengen. Wie berichtet lässt der Senat prüfen, ob die Aufstellung von so vielen Velos eine Sondernutzung öffentlichen Straßenlands ist, für die Bezirke Gebühren fordern könnten.

Dem Vernehmen nach kommt das interne Gutachten zu dem Schluss, dass das möglich wäre.