Berlin/Nauen - Immer mehr junge Frauen und Männer wollen fahren lernen - und immer mehr schaffen es nicht. Gerade in Berlin und Brandenburg gab es im Jahr 2017 nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) mit die höchsten Misserfolgsquoten bei den Führerschein-Theorieprüfungen. Bundesweit verzeichnete das Amt den letzten verfügbaren Zahlen aus demselben Jahr zufolge die höchste Durchfallquote bei den Theorieprüfungen seit zehn Jahren (37 Prozent). Demgegenüber steht eine seit 2014 bundesweit steigende Anzahl absolvierter Führerscheinprüfungen.

In Berlin fielen nach KBA-Angaben 2017 44,3 Prozent der Fahrschüler durch die theoretische Prüfung. Das sind mehr als sieben Prozentpunkte mehr als im Bundesschnitt. Die praktische Prüfung bestanden demnach 36,1 Prozent nicht - auch hier lagen die Hauptstädter deutlich über dem Bundesschnitt von 32 Prozent Durchfallern. Ähnlich, wenn auch ein bisschen besser, sah es in Brandenburg aus: Hier fielen 42,4 Prozent der Führerscheinanwerber durch die theoretische und 31,4 Prozent durch die praktische Prüfung. In beiden Bundesländern sind die Durchfallquoten im Vergleich zum vorangegangenen Jahr leicht gestiegen.

Rowdys machen Schülern das Leben schwer

Warum die Brandenburger und Berliner so schlecht bei den Prüfungen abschneiden, ist auch Experten ein Rätsel. „Da suchen wir alle nach Erklärungen“, sagte der geschäftsführende Direktor des Brandenburger Fahrlehrerverbandes, Hendrik Schreiber, der Deutschen Presse-Agentur. Eine mögliche Erklärung sei, dass der Verkehr und auch die Prüfungen mit Video-Fragen heute komplexer seien, als früher. Schreiber geht auch davon aus, dass bei manchen Führerscheinanwärtern die Prüfung an mangelnden Deutschkenntnissen scheitern könnte. Zwar gebe es die Möglichkeit, sich in einer von zwölf Fremdsprachen testen zu lassen - doch nicht alle Sprachen würden abgedeckt.

Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes gab es in Berlin mit einem Anstieg von 7,7 Prozent den größten Zuwachs bei den abgelegten praktischen Prüfungen bundesweit. Der Berliner Fahrlehrerverband führt dies auf die hohen Zuzugszahlen in die Hauptstadt zurück. „Unsere Fahrschulen verzeichnen seit drei Jahren steigende Anmeldezahlen bei den 18-Jährigen“, sagte der Vorsitzende des Verbands, Peter Glowalla, der Deutschen Presse-Agentur. Die jungen Berlinerinnen und Berliner nimmt er bei den Durchfallquoten in Schutz: „Die 10 bis 20 Prozent der Verkehrsteilnehmer, die sich in Großstädten an keine Regeln halten, machen einem Fahranfänger das Leben schwer.“

Weniger schwere Unfälle

Der ADAC sieht auch den Stress, dem junge Menschen heute ausgesetzt seien, als möglichen Grund für die hohen Durchfallquoten. Eine Sprecherin erklärte, zwischen Abitur, Arbeit und Freizeitstress könne die Fahrschule manchmal zu kurz kommen. Auch die zunehmende Nutzung von günstigen Online-Fahrschulangeboten könne ein Grund sein. Der ADAC hebt aber auch einen positiven Trend hervor: Im Gegensatz zu der negativen Bestehensquote sei die Anzahl der schweren Unfälle bei Fahranfängern rückläufig.

Für junge Männer und Frauen, die bald einen Führerschein machen wollen, hat Brandenburgs Fahrlehrerverbands-Chef Schreiber noch einen Tipp: Er rät künftigen Führerscheinanwärtern dazu, mehr auf den Verkehr zu achten, wenn sie Beifahrer sind. Heute hingen die jungen Menschen eher am Smartphone, wenn sie von ihren Eltern gefahren würden. „In solchen Situationen einfach mal ein aktiver Beifahrer sein, das kostet nichts und bringt viel“, sagte Schreiber. (dpa)