Wartende an der Teststation des Wenckebach-Klinikums in Tempelhof.
Foto: Odd Andersen / AFP

BerlinJe länger die Corona-Krise anhält und je mehr Fälle bekannt werden, desto offensichtlicher zeigt sich, dass Berlin damit überfordert ist. Viele Menschen würden gern wissen, ob sie mit dem Coronavirus infiziert sind. Doch wer es bei der Hotline der Gesundheitsverwaltung oder der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) versucht, hängt in der Warteschleife.

Eine Leserin berichtete am Freitag davon, dass sie drei Mal bei der KV unter 116 117 angerufen habe. Nach je einer halben Stunde sei sie aus der Leitung geflogen. Beim vierten Mal habe es nach ebenso langer Wartezeit geklappt. Dann habe ein genervter Arzt zurückgerufen und gesagt, er könne keine Hausbesuche machen, weil er keine Schutzkleidung habe. Die Leserin wurde an eine der Teststellen verwiesen. Um die Hotlines zu entlasten hat die Charité die sogenannte CovApp entwickelt. Sie gibt Empfehlungen, wann man zu einer Teststelle gehen soll.

Wieder nach Hause geschickt

Unser Leser Michael S. machte davon Gebrauch. Er berichtet von einem „desolaten Zustand“ im Vivantes Klinikum Fröbelstraße. „Nachdem man endlich dran war und dem sehr unfreundlichen Arzt durch die Glasscheibe seine Symptome erklärte, bekam jeder die Antwort: Sie werden nicht getestet! Ich erklärte dem Arzt dass ich eine Herzerkrankung habe sowie Fieber, Husten und Schüttelfrost.“ Michael S. habe zur Antwort bekommen, er sei kein Risikopatient. Er, wie fast jeder dort, habe einen Ausdruck des QR-Codes der Charité-App dabei gehabt, auf dem stand, man solle sich unverzüglich testen lassen.

Leserin Claudia M. litt an Durchfall und Husten, etwas Schnupfen und starken Kopfschmerzen. Der Hausarzt sagte, dass er mangels Schutzausrüstung nicht testen könne und verwies an eine der Berliner Teststellen. Dort bekam sie die Auskunft, sie müsse sich anstellen. Allerdings gebe es in den Schlangen ein hohes Ansteckungsrisiko.

Falschbehauptungen zu Ausgangssperre

Berlin kann laut Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) pro Tag bis zu 2 000 Corona-Tests durchführen. „Das ist im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr komfortabel“, so Kalayci. Tatsächlich reicht es nur für Patienten, die höheren Alters sind. Deshalb werden die meisten, denen die Charité-App die Testung empfohlen hat, in der Realität wieder nach Hause geschickt.

Nicht nur die Bürokratie sondern auch Dreistigkeit vergrößern die Unsicherheit und nutzen sie aus: Auf WhatsApp wird seit Freitag ein angeblicher Screenshot des Landesamtes für Gesundheitsschutz verbreitet. Darauf wird behauptet, ab Montag gebe es eine Ausgangssperre. „Das ist falsch. Bitte nicht weiterverbreiten“, teilt die Behörde auf der Webseite nun mit.

Mittlerweile gibt es immer wieder auch Streit um die Frage, in welche Krankenhäuser erkrankte Covid-19-Patienten gebracht werden. Am Donnerstag wurde ein Patient vom DRK-Klinikum Drontheimer Straße in das DRK-Klinikum Westend verlegt. „Er wurde unter den geltenden Hygieneschutzmaßnahmen aufgenommen“, bestätigte eine Sprecherin, die in dem Vorgang keine Unregelmäßigkeiten sieht. Nur: Das DRK-Krankenhaus in Westend gehört nicht zu den 14 Berliner Schwerpunkt-Kliniken, die für Corona-Patienten vorgesehen sind. „Auf diese Weise findet der schleichende Kollaps statt und auch die anderen Krankenhäuser werden jetzt verseucht“, sagt ein Mitarbeiter aus dem Rettungswesen.

Gedränge am Flughafen, offene Gaststätten 

Die Bundesregierung hält die Menschen dazu an, soziale Kontakte zu vermeiden, um die Infektionsgefahr zu verringern. Doch vielerorts wird dies ignoriert.

So standen am Flughafen Tegel noch am Donnerstag ankommende Reisende dicht gedrängt an der Passkontrolle und in der Ankunftshalle. „Sehr schlecht organisiert. Das ist ein großes Risiko, Corona zu verbreiten“, schimpft ein Passagier, der aus Neuseeland zurückkehrte.  

Gedränge am Flughafen Tegel. Von Distanz wegen der Infektionsgefahr kann keine Rede sein.
Foto: privat

Von Distanz ist auch in manchen Restaurants keine Spur. Seit Sonnabend müssten Kneipen und Bars geschlossen bleiben. Seit Mittwoch mussten auch die meisten Geschäfte dicht machen, Restaurants dürfen nur noch bis 18 Uhr öffnen. Zwischen den Sitzplätzen müssen mindestens 1,5 Meter Abstand sein. Doch um die Kurfürsten-, Bülow- und Potsdamer Straße hatten in der Nacht zum Freitag zahlreiche Restaurants geöffnet.

Dass die Polizei bei der Durchsetzung der Eindämmungsverordnung des Senats untätig ist, will eine Behördensprecherin jedoch so nicht stehen lassen. Zwischen 18 und 6 Uhr hätten Polizisten in der Nacht zum Freitag  98 Kneipen, Restaurants und Geschäfte überprüft. 91 Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz seien festgestellt worden – meist, weil die Läden noch geöffnet hatten.