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Inzwischen scheint seine Idee, sich über eine Karriere als Tänzer und Choreograph als Seiteneinsteiger in die Schauspielerei einzuschleichen, tatsächlich aufzugehen. Erst tanzte der gebürtige Leipziger, dessen Familie nur wenige Wochen vor dem Mauerfall in den Westen geflüchtet ist, im Hintergrund bei Jeanette Biedermann, dann bei Britney Spears, Mariah Carey und Atomic Kitten. Von einem Tag auf den anderen erklärte er seine Tanzkarriere für beendet und beschloss, nur noch nach Film- und Fernsehrollen zu streben: „Ich habe das spontan entschieden, meine Agentur angerufen und ihr gesagt, dass ich keine Tanzjobs mehr annehme.“

Wir sitzen uns im Hotel Brandenburger Hof gegenüber und amüsieren uns über die Wendung des Schicksals, die ihm die Hauptrolle im Tanzfilm „StreetDance 2“ brachte, der am 7. Juni in den deutschen Kinos startet: „Ich hatte seit fünf Jahren nicht mehr getanzt, da kam dieses Angebot. Ich habe es gern angenommen und hart trainiert, denn der Tanz hat sich in diesen Jahren ja auch weiterentwickelt.“

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Falk Hentschel durfte schon einmal glauben, dass er es geschafft hat. Als 2010 der Actionfilm „Knight and Day“ herauskam, in dem er sich sehr effektvoll mit Tom Cruise und Cameron Diaz prügelte (in der rasanten Szene mit dem langen Messer und der Knackwurstkette in der Küche des Zugrestaurants!), schien sich sein Traum von einer Hollywoodkarriere endlich zu verwirklichen. „Ja, ich habe gedacht, dass es danach leichter wird. Aber plötzlich stand ich bei Castings in Konkurrenz zu bekannteren Kollegen, was es nicht vereinfacht hat.“

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Die Filmgage war bald aufgebraucht und die Angebote, die dann kamen, eher kleine TV-Serienrollen als große Auftritte auf der Kinoleinwand. In den kommenden Wochen entscheidet sich, wie es mit Hentschel beruflich weitergeht. Im Film „StreetDance 2“ hat sich seine Tanzausbildung mal ausgezahlt. Die Dialoge scheinen ohne Beteiligung menschlicher Autoren direkt aus dem Computer zu stammen (und werden dazu noch streckenweise hübsch hölzern vorgetragen), die Tanzszenen sind allerdings spektakulär. Der erste Teil von „StreetDance“ hatte in Deutschland über eine halbe Million Zuschauer. Das wird die Messlatte für die Fortsetzung sein, die am 7. Juni startet. Hentschel mag sich mit solchen Gedanken nicht belasten: „Ich habe meine Arbeit getan, was jetzt kommt, darauf habe ich keinen Einfluss mehr. Das entscheidet das Publikum.“

Die Dreharbeiten genoss er jedenfalls. „Wir haben vier Wochen in Berlin und zwei in Potsdam gedreht, dazu kamen zwei Wochen London und eine in Italien und Frankreich.“ Es gibt Tanzszenen auf den Stufen des Berliner Doms und im futuristischen Foyer des Ludwig-Erhard-Hauses in der Fasanenstraße, die sehr gut in einen Tourismuswerbefilm für Berlin passen würden. So nach dem Motto: Diese Stadt ist dermaßen wild drauf, dass du sofort Teil eines großen Tanzes wirst, wenn du nur vor dem Dom aus dem Bus steigst.

Dreharbeiten in Deutschland

So begeistert, wie Falk Hentschel von den hiesigen Möglichkeiten für Filmproduktionen ist, spielt er gerade mit dem Gedanken, bald für die nächste Arbeit zurückzukehren. „Nächstes Jahr möchte ich meinen eigenen Film drehen. Einen Thriller. Wir überlegen gerade, ob wir davon einen Großteil hier produzieren.“ Er rechnet mit einem überschaubaren Budget von etwa 100 000 Dollar. Und sieht das nicht nur als Beschränkung: „Wir haben uns schon viel zu sehr daran gewöhnt, dass es immer gleich 180 Millionen Dollar sein müssen.“

Dreharbeiten in Deutschland hätten den Vorteil, dass er mal wieder seiner Familie, die ihn während der Durststrecken im Job immer sehr unterstützt hat, nahe sein könnte. Ein Großvater lebt in Berlin, andere Großeltern in Halle, die Eltern und der Bruder in Düsseldorf. „Meine Mama ruft nach jedem Fernsehauftritt an“, sagt er.

Während andere rund um ihren 30. Geburtstag kurz vor dem Durchdrehen sind, hat Hentschel sich auf dieses Ereignis Ende März gefreut: „Ich bin glücklich, endlich aus den Zwanzigern mit ihren ewigen ,Wer bin ich?’-Fragen heraus zu sein. Inzwischen ist alles viel klarer.“