: Fall Burak B.: Mögliche Tatwaffe im Fall Burak B. gefunden
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Die Polizei hat möglicherweise eine erste Spur im bisher ungeklärten Mordfall Burak B. Der 22-jährige Mann aus Neukölln, Sohn einer türkischen Einwandererfamilie, stand am frühen Morgen des 5. April 2012 mit seinen Freunden an einer Bushaltestelle in der Rudower Straße, als ein Unbekannter mit einer Waffe auf die Gruppe zukam und wortlos das Feuer eröffnete. Eine Kugel traf Burak B. in die Lunge, er starb kurze Zeit später auf dem Weg ins Krankenhaus Neukölln. Zwei seiner Freunde brachen schwer verletzt zusammen. Der Täter floh in eine Seitenstraße.
Die Ermittlungen der Polizei blieben bisher erfolglos, sie erkannte kein Motiv, selbst ein Beitrag in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY…“ brachte keine Hinweise. Die Polizei setzte eine Belohnung in Höhe von 15.000 Euro aus. Der Fall gilt als einer der kompliziertesten Fälle der Berliner Polizei.
Spezialisten untersuchen die Waffe
In einem Wald hat die Polizei nun eine Waffe gefunden. „Es ist der gleiche Typ, mit dem Burak B. erschossen wurde“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, auf Anfrage. Die Waffe werde nun von Spezialisten untersucht.
Auf den Fundort im Wald sind die Ermittler bei ihrer Arbeit in einem ganz anderen Fall gestoßen. Die Waffe gehört Sebastian P., einem mutmaßlichen Straftäter. Der 28-Jährige soll am 6. Oktober 2012 einen 22 Jahre alten Mann in Schöneberg niedergeschossen haben. Das Opfer überlebte schwer verletzt und ist seitdem querschnittsgelähmt.
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Sebastian P. soll eine Gruppe junger Männer in der Goltzstraße in Schöneberg nach dem Weg gefragt haben. Als die Männer ihm nicht weiterhelfen konnten, soll er gedroht haben, sie alle abzustechen, das berichteten Zeugen. Dann habe er seine Waffe hervorgeholt, anfangs in die Luft und dann auf die Männer geschossen. Eine Kugel traf einen der flüchtenden Männer in den Rücken.
Der Prozess gegen Sebastian P. wegen versuchten Mordes beginnt am Mittwoch in Berlin. Sebastian P. ist Pächter eines Traditionslokals in Gatow.
Ob der Angeklagte seine Waffe im Wald versteckt hatte, warum dort und weshalb er den Ermittlern dieses Versteck jetzt gezeigt hat, darüber wollte die Polizei am Montag nichts sagen. Sollten die Projektile, mit denen Burak B. in Neukölln erschossen wurden, aus derselben Waffe stammen, die Sebastian P. gehört, wären die Ermittler auch im Fall Burak B. einen wichtigen Schritt weiter auf der Suche nach dem Täter.
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Der bisher ungeklärte Mord an Burak B. erschütterte im vergangenen Jahr die Berliner. Etwa 2 000 Menschen kamen im April 2012, acht Tage nach seinem Tod, zur Beisetzung auf den islamischen Friedhof am Columbiadamm in Neukölln. Politische Gruppen vermuteten ein rassistisches Verbrechen und brachten die Tat in Verbindung mit dem rechtsextremen Terrornetzwerk NSU. Die Staatsanwaltschaft hat allerdings keine Hinweise auf eine rechtsextremistische Straftat.
Erst vor wenigen Tagen, Anfang April 2013, haben Familienangehörige, Freunde und politische Gruppen anlässlich seines ersten Todestages an Burak B. gedacht. Bis zu 400 Menschen hatten sich an der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm in Neukölln versammelt. Viele Menschen trugen T-Shirts mit dem Konterfei des Getöteten, man sah Plakate mit der Aufschrift „Zum Gedenken an Burak – Rassismus wieder das Motiv?“
Widersprüchliche Aussagen
Die Ermittlungen im Mordfall Burak B. wurden von Anfang an erschwert, weil Zeugen sich vehement widersprachen. Manche sagten, ihnen sei der Schütze bekannt vorgekommen, andere meinten, sie hätten ihn nie zuvor gesehen. Manche sprachen von einem Streit, es soll um Rache gegangen sein. Der Täter soll etwa 1,80 Meter groß und zwischen 40 und 60 Jahre alt sein.