Die Justizvollzugsanstalt in Tegel. Hier verbüßt der Angeklagte Michael K. eine mehrjährige Haftstrafe. Mitgefangene sagen, dass sie Angst vor ihm haben.
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BerlinDie Vorwürfe wogen schwer: Michael K. soll versucht haben, Zeugen aus früheren Strafverfahren aus dem Weg räumen zu lassen. Dafür soll der 43-jährige einstige Manager in den Haftanstalten Moabit und Tegel Mitgefangene angesprochen haben, so stand es in der Anklage. Am Dienstag ist Michael K. jedoch von den Vorwürfen freigesprochen worden. Aus tatsächlichen und rechtlichen Gründen. Der Vorsitzende Richter erkärte, dem Angeklagte sei vieles in den Mund gelegt worden  - aus Knastgesprächen. 

Michael K., hier zwischen seinen Anwälten, wird vom Anstiftung zum Mord freigesprochen. 
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Mit seinem Urteil folgte Jakob Weber, der Vorsitzende Richter der 15. Großen Strafkammer, den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer zwar auch einen Freispruch gefordert, jedoch angemerkt, dass er überzeugt sei, dass Michael K. wirklich Kontakte zu Mitgefangenen aufgenommen habe, um lästige Zeugen beseitigen zu lassen. Einen Freisprich K.’s sah der Anklagevertreter jedoch als gerechtfertigt, da es dabei zu keinen konkreten Mord-Absprachen gekommen sei. Die Verteidiger sprachen dagegen von einem Komplott der Inhaftierten zum Nachteil des Angeklagten.

Zeuge verweigerte die Aussage

Jakob Weber erklärte, dass es relativ schwer sei festzustellen, was wirklich geschehen sei. Die Vorwürfe seien von 2016. Roy W. habe nichts beigetragen zur Aufklärung. Der als Zeuge vorgesehen Mann hatte vor Prozessbeginn dem Gericht mitgeteilt, von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen zu wollen. Zudem gab er an, Michael K. falsch bezichtigt zu haben.

Das mache durchaus einen dubiosen Eindruck, sagte Weber. Aber die Kammer habe Roy W. nicht befragen können. Also müsse man davon ausgehen, dass es wirklich falsche Anschuldigungen gewesen seien. Zudem gebe es objektive Anhaltspunkte, dass Roy W. in seiner polizeilichen Vernehmung nicht in allen Dingen die Wahrheit gesagt habe.

Die Aussage von Nayef A. vor Gericht habe die Kammer kritisch gesehen. Es habe Erinnerungslücken gegeben, die nicht nachvollziehbar seien. Zudem habe sich der Zeuge erst eineinhalb Monate nach den angeblichen Gesprächen mit Michael K. offenbart. Zu einer Zeit, als bei ihm in der Zelle ein verbotenes Handy gefunden worden sei. 

Opfer eines Komplotts

Weber sagte, es könne sein, dass Michael K. Opfer eines Komplotts geworden sei. Eines sei aber sicher, daran sei der Angeklagte selbst Schuld. Er habe seinen Mitgefangenen detaillierte Informationen über seine früheren Verurteilungen geliefert und auch über seine persönlichen Verhältnisse. Er gab Michael K. auf, künftig vorsichtiger zu sein. "Je zurückhaltenden man Informationen preisgibt, desto schlechter kann man erpresst werden."

Michael K. verließ den Saal trotz des Freispruchs nicht als freier Mann. Der 46-Jährige sitzt derzeit in Berlin eine Freiheitsstrafe.  K. war vom Landgericht Hof wegen Untreue und der Anstiftung zur Entführung eines Richters 2015 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt worden.

Er hatte bis zu seiner Verhaftung als Geschäftsführer des Textil-Discounters NKD fungiert und Millionen von den Firmenkonten abgezweigt. Noch während des Untreue-Prozesses hatte er versucht, den Richter entführen und gegebenenfalls töten zu lassen. Damit wollte K. seinen Freispruch erpressen.