Ali K., der 2006 die damals 14-Jährige Georgine Krüger entführt und ermordet haben soll, hätte laut Staatsanwaltschaft nicht früher gefasst werden können. In einer Stellungnahme, die Staatsanwaltschaft und Polizei am Mittwoch veröffentlichten, rechtfertigten die Behörden ihre Vorgehensweise. Demnach hat ein früheres Missbrauchsopfer keinen Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang zu Georgine gegeben.

Fall Georgine Krüger: Polizei sieht keine Ermittlungspannen

Auslöser war die Behauptung einer 24-Jährigen, Polizisten seien eindeutigen Hinweisen von ihr nicht nachgegangen. Die damals 17-Jährige war 2011 von K. in dessen Keller an der Stendaler Straße in Moabit gelockt und sexuell missbraucht worden. Dafür wurde er im Jahr darauf verurteilt. Der Zeitung BZ hatte die Frau gesagt, sie habe Kripobeamten gegenüber den Verdacht geäußert, dass K. etwas mit Georgines Verschwinden zu tun haben könne. Diese hätten desinteressiert reagiert.

Polizei und Staatsanwaltschaft erklärten dazu am Mittwoch, dass nicht dokumentiert sei, ob Äußerungen mit Hinweis auf Georgine fielen. „In der weiteren Sachbearbeitung im Fachkommissariat wurden von der Geschädigten keine Äußerungen in Bezug auf Georgine getätigt. Auf explizite Nachfrage am Ende der Vernehmung: ,Haben sie noch etwas anzugeben, was bislang nicht zur Sprache kam?’ machte sie keine über den angezeigten Sachverhalt hinausgehende Angabe.“

Für eine umsichtige, von Erfahrung geprägte Arbeitsweise sprächen, dass damals diverse Kontaktpersonen aus dem Wohnumfeld der Frau befragt worden seien. Zudem sei der Tatort durchsucht worden. Beim Beschuldigten sei eine DNA-Probe genommen und eine erkennungsdienstliche Behandlung veranlasst worden.

Fall Georgine Krüger: Verdeckter Ermittler im Einsatz

Schon 2009 soll K. in der Stendaler Straße zwei elf und 13-jährige Mädchen aus der Nachbarschaft belästigt haben, was zu einer Strafanzeige führte. 2014 versuchte K., ein weiteres Nachbarsmädchen, das damals 14 Jahre alt war, in seinen Keller zu ziehen. Auch dieses ging laut BZ zur Polizei. Doch die Polizisten schrieben damals nur einen Tätigkeitsbericht, in dem es hieß: „Keine strafbare Handlung erkennbar.“ Außerdem sei der Beschuldigte nicht vorbestraft.

Dazu teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit, dass nach dem damaligen Sexualstrafrecht keine Straftat vorgelegen habe. Eine Abfrage der Person im polizeilichen Informationssystem führe nicht unweigerlich zur Feststellung einer einschlägigen Vorstrafe.

Im Frühjahr 2016 überprüfte ein Mitarbeiter der Mordkommission die Akten und stieß auf die 2011 begangene Sexualstraftat an der 17-Jährigen. Mit Blick auf Begehungsweise und örtliche Nähe zu dem Bereich, wo Georgine verschwand, beschäftigten sich die Ermittler mit Ali K. erneut. Sie vernahmen Opfer und Zeugen von 2009 und 2011 abermals. Dann setzten sie einen verdeckten Ermittler auf den Mann an, was nun zu seiner Festnahme führte. (kop.)