Berlin - Ein halbes Jahr nach der tödlichen Gewaltorgie am Berliner Alexanderplatz ist der Hauptverdächtige gefasst. Der 19-Jährige war in der Türkei untergetaucht und stellte sich am Montag den deutschen Justizbehörden. Das teilte die Senatsverwaltung für Justiz mit. Zielfahnder nahmen den Verdächtigen nach dpa-Informationen am Flughafen Tegel fest. Er soll noch am Nachmittag vor den Haftrichter kommen.

Damit sind alle sechs Verdächtigen gefasst. Ein Prozess soll voraussichtlich im Mai beginnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich bei ihrer Türkei-Reise im Februar für die Strafverfolgung eingesetzt.

Innensenator Frank Henkel (CDU) wertete die Festnahme als Erfolg für Polizei und Justiz. „Der hohe Druck hat sich in allen Fällen ausgezahlt. Die Geduld hat gesiegt - und die Beharrlichkeit von Polizei und Justiz“. Es sei aber auch eine wichtige Nachricht für die Familie des Getöteten, die nun hoffen könne, dass dieses entsetzliche Verbrechen angemessen betraft werde.

„Ich freue mich, dass sich nun auch der sechste Verdächtige für diese abscheuliche Tat vor einem deutschen Gericht verantworten muss“, sagte Justizsenator Thomas Heilmann (CDU). Der 19-Jährige hatte sich nach dem Tod des Prügelopfers Jonny K. in die Türkei abgesetzt.

Wie aus dem Nichts war Jonny K. in der Nacht zum 14. Oktober 2012 vor einem Lokal nahe dem Alexanderplatz von Schlägern so heftig attackiert worden, dass er einen Tag später an Gehirnblutungen starb. Auch ein Freund wurde angegriffen und verletzt. Der Gewaltexzess hatte bundesweit Entsetzen und eine neue Debatte über Jugendgewalt ausgelöst.

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Gegen den Hauptverdächtigen hatten zuletzt die türkischen Behörden wegen Mordes ermittelt. Der deutsche Haftbefehl bestand weiter. Offenbar war der Druck so groß, dass der Hauptverdächtige zurückkam. In der Türkei hätte ihm bei einer Verurteilung ein härtere Strafe gedroht. Dort wird auch kein Jugendstrafrecht angewendet. (dpa)