Neuruppin16 Jahre nach dem Verschwinden der hochschwangeren Maike Thiel aus Leegebruch (Oberhavel) müssen sich die mutmaßlichen Mörder der 17-Jährigen nun vor Gericht verantworten. Wie das Landgericht in Neuruppin am Montag mitteilte, wird der Prozess wegen gemeinschaftlichen Mordes am 13. Mai vor der 1. Großen Strafkammer beginnen.

Angeklagt sind der einstige Freund von Maike Thiel und mutmaßlicher Vater des noch ungeborenen Kindes sowie ein Bekannter der Familie. Der heute 33-jährige Michael Sch. und der 78-jährige Manfred S. sollen die Jugendliche am 3. Juli 1997 vor dem Krankenhaus in Hennigsdorf abgepasst und sie unter einem Vorwand in ein Auto gelockt haben. „Die Männer sollen mit der Jugendlichen in einen nahe gelegenen Wald gefahren sein. Dort soll der ältere der beiden Angeklagten, der auf der Rückbank des Autos gesessen haben soll, Maike Thiel von hinten erdrosselt haben“, sagte Gerichtssprecherin Iris le Claire. Heimtücke wirft die Anklage den mutmaßlichen Tätern vor. Mit der Tat habe sich Michael Sch. der Unterhaltspflicht für das Kind entziehen wollen. Manfred S. soll für die Tat 3500 Mark (umgerechnet 1 790 Euro) bekommen haben.

Auf der Anklagebank wird auch die Mutter des mutmaßlichen Kindsvaters sitzen. Der 60 Jahre alten Frau wirft die Staatsanwaltschaft Anstiftung zum Mord vor. Sie soll zwischen Februar und Juli 1997 ihren Sohn wiederholt aufgefordert haben, Maike Thiel wegen der drohenden Unterhaltskosten für das Kind umzubringen. Die Angeklagten, die in Untersuchungshaft sitzen, haben bisher zu den Vorwürfen geschwiegen.

Maike Thiel war am 3. Juli 1997 nach einer Schwangerschaftsuntersuchung im Krankenhaus Hennigsdorf spurlos verschwunden. Sehr schnell geriet ihr damals 18-jähriger Freund und dessen Familie unter Verdacht, die Jugendliche getötet zu haben. Doch der entscheidende Beleg für ein Verbrechen fehlte: die Leiche von Maike Thiel. Erst die Aussage einer Bekannten von Michael Sch. im vorigen Jahr, wonach sich der Mann mit der Tat gerühmt haben soll, führte zur Verhaftung der mutmaßlichen Mörder.

„Maikes Eltern hoffen, dass durch den Prozess endlich Licht in das Dunkel gebracht wird und sie erfahren, was mit ihrer Tochter geschehen ist“, sagte Andreas Steffen, der Anwalt der Eltern, die in dem Prozess als Nebenkläger auftreten.

Acht Verhandlungstage hat das Gericht für den Prozess angesetzt. Bereits am 18. Juli könnte das Urteil gesprochen werden.