Nichts erinnert an der Bahntrasse in der Dolomitenstraße in Pankow noch an die Tat. Dort starb vor sechs Wochen Melanie R., 30 Jahre alt.

Der mutmaßliche Mörder sitzt jetzt in Untersuchungshaft im spanischen Burgos und wartet auf seine Auslieferung nach Deutschland. Weil die Tat in Berlin geschah, muss auch in Berlin eine Gerichtsverhandlung stattfinden, falls es dazu kommt.

212 Hinweise für die Ermittler

Die Ermittler der 5. Mordkommission hatten in den vergangenen sechs Wochen alles gegeben. Keiner zählte die Überstunden. Frühzeitig hatten sich die Fahnder an die Öffentlichkeit gewandt und um Mithilfe gebeten. So wurden in den Hauseingängen und in Geschäften der Umgebung Plakate geklebt auf denen Melanie R. abgebildet war. Auch ein Bild des Kleides, das sie zur Tatzeit trug, sowie ein Foto von der Mütze, die der Täter verloren hatte, waren veröffentlicht worden.

212 Hinweise gingen daraufhin bei der Polizei ein. Eine heiße Spur war auch nicht nach der Veröffentlichung des Falls in der ZDF-Sendung „xy ungelöst“ dabei. Die Ermittler befragten mehr als 500 Frauen und Männer. Dabei erfuhren sie auch, dass im Februar dieses Jahres eine Frau Anzeige erstattet hatte, weil sich an der Bahntrasse in der Dolomitenstraße ein Mann vor ihr entblößt hatte. Doch auch das brachte die Ermittlungen nicht weiter.

30 Spezialisten im Landeskriminalamt

Sie seien froh, dass spanische Zielfahnder jetzt gemeinsam mit Berliner Kollegen nach tagelanger Observation den Mann gefasst hätten, so die Ermittler. Bei seiner Verhaftung habe sich der Mann aus Bulgarien nicht gewehrt. Seit dem 25. Juni wussten die Polizisten, wo sich der Mann aufhält. Wie sie das herausfanden, bleibt ihr Geheimnis.

Sehr groß ist Berlins Zielfahnder-Trupp nicht. Rund 30 dieser Spezialisten befassen sich im Landeskriminalamt mit dieser Arbeit. Ihr Tun wird durch die Strafprozessordnung bestimmt. Die ersten Zielfahndungsteams – eine Idee, die aus den USA stammte – wurden in Deutschland in den 70er-Jahren gebildet. Berlin verzichtete damals auf diese Teams, da die Mauer viele Schwerverbrecher abschreckte, in die Stadt zu kommen.

Ohne Angst Spazierengehen

Erst 1995 wurde in der Hauptstadt eine Zielfahndungseinheit gegründet. Wie auch jetzt im Fall Melanie R. haben die Spezialisten tagelang Informationen über ihre Zielperson gesammelt. „Am Ende wissen wir, was unsere Klientel isst und trinkt, welche Kneipen sie besucht, welche Verwandte sie hat, ob sie krank ist und wo sie behandelt wird“, sagt einer der Jäger. „Ein sozial vernetzter Mann, wird schneller gefasst, als ein zurück gezogener Einzelgänger.“

Endlich ist er gefasst, sagt die 67 Jahre alte Anwohnerin Siegrid S. Als sie vor Wochen vom gewaltsamen Tod der Frau erfuhr, traute sie sich nicht mehr in die Grünanlage. Jetzt könne sie dank der Polizei wieder ohne Angst spazieren gehen.