Nach der mutmaßlichen Verschleppung eines Vietnamesen aus Berlin prüft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), ob ein Mitarbeiter in die Affäre verwickelt ist. Der selbst aus Vietnam stammende Sachbearbeiter soll auf sozialen Medien gegen den entführten Asylbewerber gehetzt haben und vor zwei Jahren von der Kommunistischen Partei seines Heimatlandes für „Auslandspropaganda“ belobigt worden sein.

Bis zur Klärung des Falls sei der bereits seit 1991 beim Bamf tätige Mann von seinen Aufgaben entbunden worden, teilte die Behörde am Mittwoch auf Anfrage mit. Über die Suspendierung hatte zunächst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Laut Bamf werden jetzt arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen den Mitarbeiter der Außenstelle Jena geprüft.

Verdächtiger Mitarbeiter war für den Fall gar nicht zuständig

Dieser sei nicht für Verfahren vietnamesischer Asylbewerber zuständig gewesen, betonte das BAMF. Von seinen Internetaktivitäten habe die Behörde nichts gewusst, da sie die Social-Media-Auftritte von Mitarbeitern nicht pauschal kontrollieren dürfe. Nach einer Medienanfrage vom 7. August habe man sofort Maßnahmen ergriffen, um den Sachverhalt aufzuklären. Dazu gehörte, dass ihm der Zugriff auf Akten und das Ausländerzentralregister entzogen worden sei.

Im Juli war der Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh aus Berlin verschwunden. Die Bundesregierung geht davon aus, dass der vietnamesische Geheimdienst und die Botschaft des Landes an der Verschleppung des Ex-Funktionärs der Kommunistischen Partei beteiligt waren.

Der Fall belastet die deutsch-vietnamesischen Beziehungen. Thanh wird zur Last gelegt, als Chef einer Tochterfirma des staatlichen Öl- und Gaskonzerns PetroVietnam für Verluste von umgerechnet etwa 125 Millionen Euro verantwortlich zu sein. Bei einer Verurteilung droht ihm im schlimmsten Fall die Todesstrafe. (dpa)