Berlin - Falsch durchgeführte Tests, unzureichende Einhaltung der Hygienevorschriften: Neukölln macht derzeit mobil gegen die Testzentren. Es gelte, die schwarzen Schafe unter den Betreibern herauszufinden, heißt es. Erste Kontrollen fanden bereits zu Wochenbeginn statt, fünf Stationen wurden – teilweise vorübergehend – geschlossen. Dies sei nur der Anfang gewesen, sagt Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU). „Wir werden jetzt die Kontrollen auf alle 170 im Bezirk registrierten Testzentren  ausweiten.“

Bei den Kontrollen am  Dienstag handelte der Bezirk nicht im Alleingang. An der Razzia waren neben dem Ordnungsamt auch das Landeskriminalamt, der Zoll und die Senatsgesundheitsverwaltung beteiligt. Inspiziert wurden neben Gewerbeeinrichtungen auch drei Testzentren, die gerade ihren Betrieb aufgenommen hatten. Eines soll sich in einer Bar an der Sonnenallee befunden haben. Nach der Razzia ließ der Amtsarzt die drei Zentren wegen „unzureichender Testdurchführung“ schließen.

„Parallel dazu wurden sechs weitere Testzentren aufgrund von Hinweisen, die wir erhielten, kontrolliert“, sagt Stadtrat Liecke. Drei Stationen, eine davon an der Hermannstraße, wurden vorübergehend geschlossen. Sollten die Mängel abgestellt sein, könnten die Zentren nach einer weiteren Kontrolle wieder öffnen, so Liecke. Das gelte auch für die anderen beiden geschlossenen Stationen. Andernfalls drohe ihnen im schlimmsten Fall der Entzug der Testgenehmigung.

Sabine Gudath
Auch hier wurde kontrolliert. „Wegen Systemfehler geschlossen“, steht nun an dem Fenster dieser Neuköllner Teststation.

Testergebnis bereits nach fünf Minuten

Die Liste der Mängel ist lang. „In einigen Fällen trugen Mitarbeiter nicht die vorgeschriebene Schutzkleidung, hatten keine Schutzmasken auf oder trugen verschmutzte Handschuhe“, berichtet der Neuköllner Gesundheitsstadtrat. Auch verunreinigte Test-Kits wurden vorgefunden.

Bemängelt wurde weiter, dass Tests falsch angewendet wurden. „Statt die Stäbchen richtig in den Nasenraum hineinzuführen, erfolgte der Abstrich nur im Nasenvorhof“, sagt Liecke. Stäbchen seien zudem nicht vorschriftsmäßig mit der Testlösung behandelt worden. In einigen Fällen hätten merkwürdigerweise „bereits nach fünf Minuten statt nach 15 Minuten“ Testergebnisse vorgelegen, die dann als negativ bescheinigt wurden. Das kam heraus, weil sich Beamte offenbar vorab inkognito hatten testen lassen.

Von den insgesamt mehr als 1500 Testzentren in Berlin sind einige Stationen ins Visier des Landeskriminalamtes geraten. „Zwölf Strafanzeigen wegen Abrechnungsbetruges sind gerade in der Bearbeitung“, sagte ein Polizeisprecher dieser Zeitung. Es werde aufgrund von Informationen der Gesundheitsämter ermittelt. Jüngst waren Fälle bekannt geworden, in denen einige Betreiber offenbar mehr Testpersonen abgerechnet hatten, als tatsächlich dort gewesen waren. Für einen durchgeführten Test erhalten sie 18 Euro von der Kassenärztlichen Vereinigung.