Falsche Immobilien-Anzeigen: Betrug mit Berliner Luxuswohnungen

Es klingt einfach zu schön, um wahr zu sein: "Voll möbliert 3 Zm. Wohnung im Herzen der City. Provisionfrei!", steht in einer Mail, die mir das Wohnungsportal Immonet zuschickt. Seit ein paar Wochen habe ich dort einen Suchauftrag für ein neues Zuhause eingerichtet.

Zentral sollte die gewünschte Wohnung liegen, ein Bad mit Fenster haben, ein Balkon und 70 Quadratmeter Platz wären schön – und bitte nicht zu teuer. Seitdem bekomme ich jeden Morgen den Hinweis auf dieses utopische Angebot: 350 Euro für eine möblierte 85-Quadratmeter-Wohnung in Mitte, genauer: Unter den Linden. Welcher Normalverdiener wohnt denn bitte Unter den Linden?

Das muss ein Fake sein, denke ich. Oder doch nicht? Um es herauszufinden, kontaktiere ich den Anbieter direkt. Das ist gar nicht so einfach, denn als ich das Angebot bei Immonet aufrufen will, ist es bereits von der Seite verschwunden. Ist die Wohnung vielleicht schon vergeben?

Am Folgetag taucht die Wohnungsanzeige erneut in der morgendlichen Mail mit zu meiner Suche passenden Angeboten auf. Und diesmal kann ich die Anzeige auch anklicken. Die Fotos darin sehen aus wie aus einem Katalog für ein hochwertiges Möbelhaus – was mein Vertrauen in die Echtheit der Anzeige weiter schrumpfen lässt.

Dazu trägt auch bei, dass der Anbieter laut Anzeige nicht über das Wohnportal, sondern per E-Mail kontaktiert werden will. Bereits an dieser Stelle sei gesagt: Sollten Sie bei einer ähnlichen Anzeige auf die E-Mail-Adresse gaprona@gmail.com stoßen, ist Vorsicht geboten.

Mein Misstrauen lässt mich im Netz recherchieren. Auf dem Blog wohnungsbetrug.blogspot.com sind Hunderte ähnlich verlockender Wohnungsangebote aller möglichen Online-Portale aufgelistet. Ob in München, Augsburg, Bonn, Frankfurt oder Kassel – die Masche ist immer dieselbe. Dem Interessenten wird eine auffällig günstige Wohnung im Designer-Look angepriesen, doch vor einer angeblichen Besichtigung soll Geld überwiesen werden.

Besichtigung gegen 500 Euro "Kaution"

Schon kurz nach meiner Interessensbekundung an die genannte Emailadresse erreicht mich die lange Nachricht eines gewissen Dr. Henry Dawson aus London: "Ich bin mit einem Online-Übersetzer, Ihnen zu schreiben, weil mein Deutsch ist sehr schlecht. Wenn Sie Englisch sprechen, würde ich schätzen", schreibt er.

Und weiter: "Leider ist mein Job mir nicht erlauben, keine Reisen für den nächsten Monaten tun, so dass ich nicht in der Lage zu kommen und treffen Sie persönlich für eine Weile. Dies wird jedoch keinen Einfluss auf die Vermietung." Die Wohnung könne man für drei Monate und höchstens zehn Jahre mieten, eine örtliche Immobilienagentur kümmere sich um alles, heißt es weiter in Google-Translator-Deutsch.