Qua Amt hätte Knut Nell über alles Bescheid wissen müssen, was bis zur geplatzten Eröffnung im Frühjahr 2012 lief und was nicht. Der seinerzeit bei Gerkan, Marg und Partner (gmp) angestellte Architekt war verantwortlich für die Bauüberwachung am zukünftigen Hauptstadtflughafen. Am Freitag überraschte er aber bei seiner Aussage vor dem BER-Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus mit einer erstaunlichen Wissenslücke: Nell will erst aus der Presse erfahren haben, dass im Terminal kilometerweise Kabel falsch verlegt worden sind. „Mir ist nicht kommuniziert worden, dass die Probleme so gravierend waren“, sagte er.

Nach Darstellung der Flughafengesellschaft (FBB) sind die mangelhaften Kabeltrassen einer der wesentlichen Mängel in dem Gebäude. Gegenwärtig werden sie saniert, weil etwa Datenkabel neben Starkstromleitungen liegen, was zu Störungen führen kann. Diese Arbeit ist sehr aufwendig, teilweise können die Kabel nicht zugeordnet werden, teilweise liegen sie hinter Wand- und Deckenverkleidungen und anderen Installationen.

Kritische Lage

Nell betonte, er hätte von den Elektrikern informiert werden müssen, wenn sie falsche Anweisungen erhalten hätten. „Eine Firma müsste anzeigen, wenn sie etwas tun soll, was sie nicht tun darf“, sagte er.

Der FBB wies er erhebliche Schuld daran zu, dass die für den Juni 2012 geplante Eröffnung abgesagt werden musste. „Wir haben den Bauherrn im Oktober 2011 darüber informiert, dass es aus unserer Sicht keinen zeitlichen Puffer mehr gibt“, sagte er. Die Lage auf der Baustelle sei zu diesem Zeitpunkt hoch kritisch gewesen, die Arbeiten waren um mehrere Wochen verzögert. Nell und sein Team hätten Maßnahmen vorgeschlagen, unter anderem hätte aus ihrer Sicht auch am Wochenende und an Feiertagen gearbeitet werden müssen. Tatsächlich ruhten die Arbeiten sogar über Ostern 2012. Vier Wochen später wurde die Eröffnung abgesagt.

Mehdorn geht Aufsichtsratsmitglied an

Unterdessen verschärfen sich die Spannungen zwischen Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn und dem Aufsichtsrat. Mehdorn ging das neue Aufsichtsratsmitglied Christian Görke (Linkspartei) am Freitag offen an. Der Finanzminister Brandenburgs hatte am Donnerstag im Landtag erklärt, dass ein Mehrbedarf von 1,1 Milliarden Euro diskutiert werde. Mehdorn sprach am Freitag in einer Mitteilung von ärgerlichen Äußerungen und rief alle Beteiligten auf, „eine sachlich richtige Diskussion“ zu führen. (mit dpa)