Familiendrama in Prenzlauer Berg: Vater springt mit Sohn aus dem Fenster

In einem mehrgeschossigen Wohnhaus in der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg hat sich in der Nacht zum Mittwoch ein Drama abgespielt. Ein Vater sprang mit seinem fünf Jahre alten Sohn auf dem Arm aus einem Fenster seiner Wohnung in der dritten Etage. Vater und Sohn stürzten zehn Meter tief. Sie wurden lebensbedrohlich verletzt.

Der 38-jährige Abraham P. soll aus Israel stammen, sagen Leute aus dem Haus. Er leide angeblich an Panikattacken, die von lauten Geräuschen ausgelöst werden. Was in der Nacht zum Mittwoch die Panik bei dem Mann ausgelöst haben könnte, wissen die Ermittler der 7. Mordkommission noch nicht. Das Kind und der Mann konnten wegen der lebensbedrohlichen Verletzungen noch nicht befragt werden. Auch eine Frau, die sich zum Zeitpunkt des Dramas mit in der Wohnung befand, sei noch nicht ansprechbar, hieß es. Sie wurde von Seelsorgern intensiv betreut.

Nach Informationen der Polizei ist die Frau eine Bekannte des Mannes, aber nicht die Mutter des Kindes. Fest steht, dass Vater und Sohn kurz nach Mitternacht zehn Meter in die Tiefe stürzten. Sie fielen auf das Vordach eines Fahrradständers. Das aus Plexiglas bestehende Dach zersprang. Das habe den beiden womöglich das Leben gerettet, sagten Feuerwehrleute. Sie sowie die Polizisten waren zehn Minuten nach Mitternacht von Anwohnern alarmiert worden. Sie hatten die beiden Verletzten im Innenhof bemerkt und sich um sie gekümmert. Der Sohn wurde von Rettungssanitätern in das Virchow-Klinikum gebracht. Der Vater kam in das Bundeswehrkrankenhaus. Er wird voraussichtlich längere Zeit in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden.

Alleinerziehender Vater fiel schon einmal auf

Der Vater war am 13. Februar dieses Jahres nach einem Polizeieinsatz schon einmal in die Psychiatrie eingeliefert worden. Rettungskräfte waren alarmiert worden, weil er mit seinem damals vier Jahre alten Sohn auf das Dach des Kinos Colosseum kletterte. Er drohte damit, sich und das Kind zehn Meter tief abzuseilen. Einen Strick hatte er bereits befestigt. Feuerwehrleute und Polizisten holten ihn vom Dach.

Der Junge wurde dem Kindernotdienst übergeben. Der alleinerziehende Mann kam drei Monate lang in psychiatrische Behandlung. Nachdem er aus der Klinik entlassen worden war, nahm er sein Kind wieder zu sich. Das Jugendamt stimmte zu, soll aber die Auflage erlassen haben, den Vater unter Kontrolle zu behalten. Eine Betreuerin sei auch regelmäßig in der Wohnung gewesen, sagen Anwohner.