Um 9.15 Uhr geht ein Flug nach Miami, um 9.40 Uhr soll der Flieger nach Bern abheben, und zehn Minuten später geht es ab nach Moskau. So steht es jedenfalls auf der Anzeigetafel im Hauptterminal des immer noch ruhenden BER-Flughafens. Das Terminal konnte am Wochenende erstmals nach der erneuten Verschiebung des Eröffnungstermins besucht werden. Die Flughafengesellschaft hat zum Familienfest geladen, um den Baufortschritt zu zeigen, hieß es. Laut Flughafensprecher Ralf Kunkel kamen an beiden Tagen 80.000 Menschen.

Immerhin sind viele positiv überrascht, wie edel das Terminal aussieht. Der Boden aus poliertem, hellem Jura-Kalkstein. Die zahlreichen Check-in-Schalter im Hauptgebäude mit dunklem Nussbaum-Furnier. „Das sieht ganz schick aus, hat eine Leichtigkeit“, sagt Andreas Haase, der einen Limousinenservice betreibt. Lutz Fabricius, Rentner aus Rudow, findet das Terminal hingegen ziemlich eng. „Weil die Schalter überall stehen, werden die Leute in den Stoßzeiten kaum durchkommen“, befürchtet er. Tatsächlich gibt es im Hauptterminal zwölf sogenannte Check-In-Inseln und insgesamt 160 Schalter. „Ich hoffe, dass ich die Eröffnung noch erlebe“, fügt Lutz Fabricius noch an.

Warnkreuze auf der Startbahn

Die Besucher können nur einen vorgegebenen, recht kurzen Weg auf Holzbrettern durch das Hauptterminal gehen. Unnatürlich ruhig ist es dort. Bis zum Sicherheitsbereich und dem dahinter verborgenen Konsumbereich dringen die Besucher gar nicht vor. Unschön solle es dort aussehen, die Kabelschächte seien offen, sagen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma. Baulich habe sich seit der Verschiebung des Eröffnungstermins noch nicht so viel getan, räumt Flughafensprecher Ralf Kunkel ein. Selbst die Anzeigetafel mit den Flugzielen zeigt seit vielen Monaten den selben Stand.

Eine Menschenschlange bildet sich vor dem Eingang zum unterirdischen Bahnhof. Unten versichern Mitarbeiter der Deutschen Bahn, dass sie ja anders als die Flughafen-Leute pünktlich seien. Draußen vor dem Terminal macht sich Andreas Haase, der Limousinenservice-Betreiber, Sorgen, dass die Besucher auf dem Weg vom Parkplatz zum Terminal bei Regen ungeschützt seien und nass werden könnten. „Und mit meinen Limousinen werde ich auch schwer direkt am Terminal parken können.“
Begehrt sind die 20-minütigen Bustouren über das Rollfeld, vorbei am Lager für Enteisungsmittel. Auf der Startbahn wird kurz angehalten, die Leute können Fotos machen. Überall auf dem Rollfeld stehen riesige Warnkreuze, mit schwarzen Säcken beschwert.

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Damit nicht aus Versehen ein Flugzeug hier landet. Ein Rentner aus Lichterfelde versucht zu berechnen, ob die Startbahn überhaupt korrekt verlegt ist. „Ich will nicht überrascht sein, wenn die Flieger eines Tages doch über mein Haus donnern“, sagt er. Weiter geht es vorbei am hinteren Teil des Terminals, wo die Flugzeuge andocken sollen. Von hier ist zu beobachten, dass die Decken der Räume geöffnet wurden, offenbar um zu prüfen, ob die Brandschutzanlage funktioniert. „Hier werden die Millionen versenkt“, sagt der Rentner aus Lichterfelde.

Zwischen Bratwurstständen und Hüpfburgen steht Flughafenchef Hartmut Mehdorn auf einer Bühne und versucht nett zu sein. Einen Eröffnungstermin für den BER will er nicht nennen. „Zu oft sind Termine genannt worden, die sich in Schall und Rauch aufgelöst haben“, sagt Mehdorn. Neben den Problemen mit der Brandschutzanlage sei weiterer Pfusch am Bau zu beheben. Es müssten noch viele Restarbeiten ausgeführt und alle notwendigen Dokumente für die Bauabnahme beschafft werden. Immerhin laufe das vor gut einem Monat eröffnete Frachtterminal besser als erwartet, und ansonsten will Mehdorn die Fluggesellschaft Germania möglichst bald vom Nord-Pier abfliegen lassen. Dafür müssen Kabeltrassen neu verlegt und eine zusätzliche Sprinkleranlage installiert werden. Die Arbeiten sollen bis Jahresende abgeschlossen sein, so Mehdorn.

Geflogen wurde am Wochenende am BER-Gelände sogar auch. Ein privater Anbieter bot Rundflüge in einem knallroten Hubschrauber an. Beim Knattern der Rotoren stellte sich plötzlich doch das Gefühl ein, auf einem Flughafen zu sein.