Berlin - Es sieht nicht gut aus für die Dunkel-Elfe. Besorgt beobachtet Koch-Azubi Paul, wie sein Gegenüber Steve seine Orks um zehn Zentimeter heranrückt. Vielleicht könnte der Zerschmetterer kontern? Paul lässt die Würfel über den Tisch rollen. Aber die Augenzahl reicht nicht, um die gefährlichen Orks zu vernichten. Stundenlang geht das so weiter: Echsenreiter räumen Zwerge ab, Drachen verdrängen Nörglings, Elfen bekämpfen Rattenmenschen.

Was bei unbeteiligten Zuschauern verständnisloses Kopfschütteln erzeugt, liegt bei vielen jungen Leuten im Trend: sogenannte Tabletop-Spiele, bei denen Minifiguren auf großen Tischen aufgebaut und bei Fantasy-Spielen gegeneinander antreten. Es gibt Spiele, die an Geschichten von Indiana Jones erinnern oder an den Herrn der Ringe, andere spielen im 40. Jahrtausend, wo düstere Space-Orks-Grüppchen die Welt neu erschaffen.

Kostspieliges Hobby

Paul Ewald (18), und Steven Glennkolodzi (20), spielen seit Jahren Fantasy-Spiele. Ein-, zweimal die Woche treffen sie sich im Funtainment-Center in Friedrichshain. Dort ist in mehreren Räumen alles versammelt, was sie brauchen: Die Figuren, die man selbst zusammenbauen und bemalen muss. Natürlich auch die Malfarben sowie alle Burgen, Schlösser und Schlachtfelder für die Geschichten. Jede Figur hat ihre Bedeutung – so ist der Zerschmetterer ein großer Dämon, die Nörglings sind sein Fußvolk, ein Trygon ist ein Echsenwesen und der Drache ein Monster. Es ist ein kostspieliges Hobby, die Figuren kosten zwischen drei und 40 Euro. Im Schuhkarton von Steve liegen Figuren für gut 250 Euro. Natürlich bekommt man im Laden auch die „Armeebücher“, die das Wichtigste sind. In ihnen ist beschrieben, was die Figuren dürfen und um wie viele Zentimeter sie nach welcher Würfelzahl auf den Gegner vorrücken dürfen. Klar, dass zur Spielerausrüstung auch ein Bandmaß gehört.

Vor allem junge Männer sind Fantasy-Spieler. „Es kommen aber auch zunehmend Mädchen“, sagt Jens Schilling von Funtainment. Und Kinder, die sich mit Sammelkarten eindecken. An diesem Sonnabend gibt es sogar ein Pokémon-Turnier. Mittlerweile haben sich viele Läden auf diesen Trend eingestellt. Auch auf sogenannte Rollenspiele, bei denen sich jeder Mitspieler eine Figur ausdenkt, die dann Abenteuer zu bestehen hat. Der Verein Illusionist in Treptow hat sich darauf spezialisiert. „Jeder Charakter wird ausgewürfelt, das Szenario durch einen Spielleiter vorgegeben“, sagt Denny Gehrke vom Verein. Eine Spielrunde kann da schon mal zehn Stunden dauern – je nach Fantasie der Mitspieler. Paul und Steven sind übrigens nicht nur begeisterte Fantasy-Spieler. Manchmal sitzen sie sich auch am Schachbrett gegenüber.