Für radikale Konzepte ist die Bar am Steinplatz bekannt. Im vergangenen Jahr nahm Barchef Christian Gentemann sämtlichen Gin aus dem Sortiment – ausgerechnet, als Gin Tonic wieder besonders gefragt war. Stattdessen gibt es nun nur noch  Doppelwacholder bei ihm. Dabei handelt es sich um neutralen Alkohol aus Getreide, aromatisiert allein mit Wacholder und ohne Botanicals wie Koriander oder Zitrusnoten, wie sie immer mehr Gin-Hersteller verwenden.

Dieser  Purismus, könnte man meinen, setzt sich auch in der  frisch veröffentlichten neuen Karte fort: Zehn Cocktails, alle farblos und klar, alle im gleichen Glas serviert (je 14 Euro).  Doch darum geht es Gentemann nicht: „Es ist vielmehr ein Spiel, bei dem wir das gewohnte Zusammenwirken der Sinne durcheinanderbringen. Der visuelle Eindruck gibt keinen Hinweis mehr“, erklärt er.  Auf diese Weise würden Geschmacks- und Geruchssinn besonders gefordert.

Klare Spirituosen wie Vodka , Wermut oder weißen Rum mixt das Steinplatz-Team mit  hausgemachtem Sirup und Kräuter-Destillaten wie Estragongeist vom Berliner Freimeisterkollektiv, einem Zusammenschluss unabhängiger Kleinbrenner.

Monatelang haben sie experimentiert, um Kombinationen wie Tequila/Jasminblüte/Bergamotte/Shiso oder Malibu/Kokos/Korander/Limette zu erfinden – auf einen Cocktail kommen ungefähr sechs Rezepturen, die wieder verworfen wurden. Denn: „Die Reduktion auf durchsichtige Ztaten schränkt nicht ein, im Gegenteil, sie macht erst richtig kreativ“, meinen die Mix-Experten. 

Auch der inzwischen berühmte Doppelwacholder findet sich wieder auf der Karte, in einer Kreation, die es hier zuvor auch schon als „farbechten“ Cocktail gab, und die eine wahre Aromenexplosion auf der Zunge auslöst: Mit Rote-Bete-Geist, Ananas-Sirup, Minzöl und Zitronenwasser, das in der benachbarten Stairs Bar  (Uhlandstraße) produziert wird. Allein das Öl verleiht dem durchsichtigen Drink ein paar grüne Schlieren, ansonsten sind die Cocktails optisch kaum zu unterscheiden.

In dem Jugendstilbau des Architekten August Endell, der die Bar am Steinplatz beherbergt, wird dazu unter anderem ein 36 Monate gereifter Cheddar vom Charlottenburger Käseladen Blomeyer gereicht. Besser kann man das Leitmotiv „Support your local heroes“ kaum umsetzen.

Bar am Steinplatz im Hotel Am Steinplatz, Autograph Collection, Steinplatz 4, Charlottenburg, täglich ab 16 Uhr

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