Fashion und Kleidung: Warum die Berlinerin Antoniya Ivanova Mode für Radfahrer kreiert

Berlin - Radfahren und Mode – geht das zusammen? Ja, es geht. Die Designerin Antoniya Ivanova hat sich auf Mode für Radfahrerinnen spezialisiert, also auf Mode für Frauen, die elegant aussehen und trotzdem vor Regen geschützt werden wollen. Für ihre Design-Ideen hat sie 2015 den Preis der Kultur- und Kreativpiloten und den German Design Award 2016 gewonnen. Die 35-Jährige stammt aus Sofia und wohnt seit fünf Jahren in Berlin. Wir haben sie in ihrem Atelier in der Karl-Kunger-Straße besucht. Über einer alten Singer-Nähmaschine stehen Wandsprüche wie „Let it go“ oder „I love me“.

Frau Ivanova, Sie fahren viel Fahrrad, wie viele Räder besitzen Sie?

Eigentlich waren es drei. Ein blaues Damenrad und ein Lastenfahrrad habe ich noch. Das dritte, ein Klapprad, wurde mir leider gestohlen.

Oh! Wann haben Sie es zum letzten Mal benutzt?

Vorletzte Woche, da bin ich zu Freunden zum Essen eingeladen worden.

Und was hatten Sie da an?

Shorts und ein T-Shirt, darüber den von mir entworfenen Trenchcoat in Schwarz.

Was ist das Besondere an diesem Trenchcoat?

Er ist aus einem leichten, sehr weichen, wasserabweisenden und atmungsaktiven Stoff gefertigt, dem man nicht anmerkt, dass er aus Plastik ist. Der Trenchcoat besteht aus zwei Teilen, einer langen Weste und einer kurzen Jacke mit einer abnehmbaren Kapuze. Er lässt sich sehr tief knöpfen und hat seitliche Schlitze mit Einsätzen. Diese Einsätze sorgen für mehr Beinfreiheit, außerdem sind sie mit reflektierenden Bändern versehen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, solche Regenbekleidung für Radfahrerinnen zu produzieren?

Bis 2011 lebte ich in Paris, dort gibt es überall preiswerte Mietfahrräder. Da ich meine Wohnung mit der Metro nicht gut erreichen konnte, fuhr ich Rad. Im Sommer war das kein Problem, aber es kam der Herbst und der Regen. Ich brauchte einen Regenmantel! In keinem Laden fand ich etwas, was nicht nach Sportkleidung aussah. Da sagte ich mir: Ich bin Modedesignerin, das mache ich selbst!

Und wie gingen Sie vor?

Ich suchte nach leichten, elegant wirkenden, gleichzeitig auch wasserabweisenden und atmungsaktiven Stoffen. In Italien und der Schweiz wurde ich schließlich fündig. Ich entwarf etliche Silhouetten und fertigte schließlich drei, vier verschiedene Modelle. Als meine Freundinnen mich damit sahen, riefen sie: „Ich will auch so etwas haben!“ Da wusste ich, das ist eine Geschäftsidee.

Sie gründeten Ihr Label „Chance of Rain“. Woher kommen Ihre Inspirationen für Ihre Entwürfe?

Zunächst gehe ich von meinen Bedürfnissen aus, etwa, dass ich modisch und elegant gekleidet sein, mir aber keine Gedanken über das Wetter machen möchte. Dass ich nicht nass werden und auch bei minus zwanzig Grad auf meinem Rad nicht frieren möchte. Ansonsten inspiriert mich alles, was mich umgibt.

Wo kann man Ihre Kollektion kaufen?

Am besten besucht man meinen Online-Shop unter www.chanceofrain.de und macht einen Besuchstermin in meinem Atelier. Ab September biete ich den Trenchcoat für 350 Euro in schwarz und hellgrau an.

Und welche Größen haben Sie im Angebot?

Den Trenchcoat gibt es von Größe 34 bis 44. Ich biete aber auch Extraanfertigungen an – ohne Aufpreis.

Nicht jeder kann sich Ihre Mode leisten, was sollen Radlerinnen tun, die nicht so viel Geld für einen Mantel oder Cape ausgeben können?

Sie müssen sich zwischen elegant oder funktional entscheiden. Wenn man beides verbinden möchte und auf Qualität Wert legt, sollte man meinen Preis als Investition gegen den Regen auffassen. Das Material, das ich verwende, ist leider teuer. Dafür sind meine Produkte zeitlos, man kann sie ein Leben lang tragen.

Produzieren Sie auch unter ökologischen Gesichtspunkten?

Ich bin gegen Wegwerfmode, deshalb konzentriere ich mich auf die Qualität – schließlich sucht man beim Fahradkauf ja auch nach einem Modell, das einige Jahre hält. So besteht meine Kollektion aus ein paar Klassikern, die ich pro Saison mit neuen Stücken ergänze.

Und was tragen Sie auf dem Kopf? Einen normalen Schutzhelm?

Noch trage ich gar keinen Helm, weil ich keinen gefunden hatte, der mir gefällt. Vor kurzem entdeckte ich einen minimalistischen, klassisch designten Helm im Internet. Den werde ich mir bestellen.

Das Gespräch führte Uta Eisenhardt.