Die Berlinerin Rike Feuerstein, die sich mit ihren extravaganten Hutkreationen seit Jahren auch international einen Namen gemacht hat, präsentierte am späten Mittwochnachmittag eine bunte Kollektion für intellektuell angehauchte, erwachsene Berliner. Ihre Kollektion hat sie „Tribal Dandy“ genannt; auf dem Laufsteg prallte britische Schneiderkunst auf die Farben der Massai. Grafische Folkloreprints zierten Seidenkleider und steife Krägen in schwarz-weißem Zickzack-Muster erinnerten an die afrikanische Stammeskleidung.

Highschool Party! Der Schweizer Designer Julian Zigerli schickte seine jungen Models am Mittwochabend in flauschiger Sportkleidung zum Lümmel-Work-out. Die einen posierten in rosa- und beigefarbenen Sweatshirt-Jacken lasziv gelangweilt – wie Teenager eben – für die Fotografen, während im Hintergrund ein Mädchen in schwarzen Shorts und einem T-Shirt mit abstraktem Körperteile-Print auf dem Rücken ihre Yoga-Biegsamkeit zum Besten gab. Zigerli zeigte seine schrille Herrenmode vor einem Jahr erstmals während der Modewoche in Mailand. Dass er Berlin mit seiner Basic-Linie „All time Favorite“ treugeblieben ist, finden wir gut.

Oh, Isabell de Hillerin – unbestechlich, konsequent! Die Designerin eröffnete den Morgen mit einer strengen und scharf geschnittenen Kollektion. Zu den Klängen von Bauhaus’ Gothik-Rock-Klassiker „Bela Lugosi’s dead“ schickte de Hillerin elegisch dreinblickende Models über den Laufsteg, an den Füßen Doc Martens in Lack, in Mänteln aus lodenartigem Stoff, beerenfarbene, braun-grau schimmernde Anzüge mit Hochwasserhosen, wenig Schnickschnack und einem Hauch dekonstruktivistischer Schule. Isabell de Hillerins Entwürfe würden – wenn umgesetzt von einem anderen Designer – mitunter zu streng, fast verhalten wirken. Doch sie schafft es durch exquisite Materialien und hohe Schneiderkunst der Kollektion etwas ganz Eigenes, Hochwertiges zu verleihen. Sehr gelungen.

Oft sah man in den vergangenen Jahren im Studio aufregendere Entwürfe als auf dem Laufsteg. So auch bei Thomas Hanisch. Seine Cyber-Tribute-von-Panem-Fetisch-Tapetenprint-Gummi-Warnsignal-Entwürfe sind das Frischeste, was seit Sadaks Debüt am Montag gezeigt wurde. Sicherlich ist die futuristisch anmutende Auflösung von Formen und Silhouetten ein Allzeit-Klassiker, doch Hanisch setzt sie als Stilmittel mit überproportionalen Schultern, mittels Verstärkung ausgestellten Rocksäumen und Reifrockgittern über Pelzjacken so frech und mitunter humorvoll ein, dass seine Kollektion eine der wenigen ist, die im Gedächtnis bleiben wird – Material für den großen Runway!

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Nachhaltigkeit und Mode gut zusammengehen, dann hat ihn die estonische Designerin Margit Peura mit der Debütschau ihres Labels Whitetail in der Stage nochmals erbracht. Peruanisches Alpaca bedeutet bei ihr keinen Ethnolook, sondern: weite Schnitte von schlichter Eleganz, die den Körper sanft umhüllen und ihm deshalb schmeicheln, ob als schwarzes Wollkleid oder als Mischung aus Jogging- und Marlenehose, die lässig zu einem klassischen, an der Taille gebundenen Mantel kombiniert ist; dazu spielt Peura mit überraschenden Details wie transparenten Hosentaschen.

Das Berliner Designerduo Kristina Puljan und Martin Eichler, das hinter dem Label Vektor steckt, zeigte eine schlichte Kollektion. Dominant war das reduzierte Spiel mit den vier in Kombination kraftvollen Farben Magenta, dunkles Taubenblau, Weiß und Schwarz. Gelungen zeigte sich diese schlichte Formgebung in wadenlangen Midi-Röcken und Kleidern. Als Leitthema agierte hingegen eine Cut-out-Fläche, die auf mehreren Jacken am Oberarm in der Struktur eines Insektenpanzers aufklaffte. Diese Dynamik wurde im prägnanten Spiel mit viel Volumen bei Mänteln und Jacken sowie Gürtelkonstruktionen weitergedreht.

Wenn rund 30 Paar Hände (Studio 30 PH) an einer Kollektion herumbasteln, kann das Ergebnis schnell ein bisschen unrund wirken. Nicht so beim gleichnamigen Hochschulprojekt der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Die in dieser Saison beteiligten Modedesign-Studierenden präsentierten einen fein aufeinander abgestimmten Reigen an Variationen in ungefärbter Biobaumwolle, als Gegenentwurf zu Schwarz-in-Schwarz wie Farben-Alarm und um die Vielseitigkeit des nachhaltigen Materials zu beweisen. Was es zu sehen gab: Grobstrickpullover zu weich fließenden Palazzohosen, Jacketts mit akzentuierten Schultern und ausgespartem Rücken zu verkürzten Anzughosen oder gesteppte Coulottes zur zarten Wickelbluse.

Wie trägt man die ach so angesagten Coulottes bei Minusgraden? Die drei Designer Eszter Füzes, Attila Godena-Juhász und András Tóth vom Budapester Label Use Unused haben die Antwort: über einer langen schmalen Hose im gleichen Farbton. Komplettiert wird der Look mit einer farblich leicht abgestuften Weste im klassischen Schnitt. Es sind Ideen wie diese, die den cleanen, aber dennoch sehr weiblichen Chic der Ungarn zu einer echten Bereicherung bei der Berliner Fashion Week machen

Ihrer Liebe zu orthopädischen Stützapparaturen und Fetisch-Zitaten blieb die gefeierte Jungdesignerin Marina Hoermanseder auch in dieser Saison treu. Nur wird sie dabei in der Umsetzung immer eleganter, tragbarer, vielleicht auch langweiliger. Als Details durchzogen Lederschnallen auch die schlichten Stücke aus hochwertigem Mohair, Leder, Seide oder Breitcord. Besonders gelungen: die Rollkragenpullover aus Nappaleder. Diskussionswürdig: ihr Einsatz von Echtpelz.