Berlin - Deutschland steht vor möglichen neuen Hitzerekorden am Sonntag, in Frankreich sind bereits am Freitag neue Allzeit-Rekorde aufgestellt worden: Erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen wurde in unserem Nachbarland die 45-Grad-Marke überschritten. Erst bei 45,9 Grad stagnierten die Höchstwerte laut französischem Wetterdienst Meteo France. Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net) spricht von „arabischen Verhältnissen mitten in Europa".

„Wer an einen Zufall glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen"

In aller Regel geben sich Meteorologen sehr zurückhaltend, derartige Wetterphänomene mit dem Klimawandel zu erklären, doch Diplommeteorologe Jung sieht eine längerfristige Entwicklung, die nun gerade auf einen neuen Höhepunkt zusteuert: „Das erste Mal wurde in Deutschland 2003 die 40-Grad-Marke erreicht, dann wieder im Juli 2015 und möglicherweise könnte es morgen, gut vier Jahre später, schon wieder der Fall sein." Der Wetterexperte erinnert an den vergangenen Mittwoch, als Deutschland des heißesten Junitag seit 1881 erlebte. „Dieser Rekord könnte aber morgen schon wieder überboten werden. Bis Mai 2019 hatten wir zudem 13 deutlich zu warme Monate in Folge. Wer da noch an einen Zufall glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen."

Jung warnt ausdrücklich davor, die aktuelle Hitze zu verharmlosen und spricht von einer „regelrechten Hitze-Apokalypse". Natürlich gab es auch in der Vergangenheit Hitzeperioden, aber Jung erinnert daran, dass vor dem Jahr 2000 in Deutschland niemals 40 Grad gemessen wurden. „Dann 2003, dann wieder 2015 und nun vielleicht am Sonntag schon wieder. Davor gab es 13 zu warme Monate in Folge. Im vergangenen Jahr eine Rekord-Dürre und auch in diesem Jahr scheint es ähnlich zu verlaufen." Deshalb müsse man jetzt der Realität ins Auge schauen, statt das Thema Klimawandel bzw. Klimaerwärmung zu verharmlosen. „Wir erleben die Klimaveränderung aktuell quasi live“

Immerhin haben wir noch Zeit, uns auf die drohende Rekordhitze am Sonntag vorzubereiten: Am Sonnabend erreichen die Werte in unserer Region 29 bis 33 Grad - dabei warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor einer sehr hohen UV-Intensität. In der späteren Nacht können wir noch einmal durchschnaufen, wenn die Tiefstwerte auf angenehme 19 bis 13 Grad fallen.

Kaltfront bläst uns Windböen entgegen 

Doch dann geht es am Sonntag mit den Werten wieder rasch in die Höhe. Die 40-Grad-Marke ist zum Greifen nahe. Allerdings erreichen uns ab Mittag schon die Ausläufer einer Kaltfront, die von Norden aus weniger heiße Luft zu uns schaufelt. Ab späten Nachmittag erwartet der DWD im Norden Brandenburgs und um Berlin herum sogar Windböen.

In der Nacht zu Montag gehen die Werte deutlich herunter, bleiben in Berlin aber voraussichtlich an der 20-Grad-Marke hängen und sinken nur im Umland auf angenehmere 15 Grad. Der Montag wird sich spürbar kühler anfühlen, es ist jedoch auch verbreitet schwül und im Süden fallen einzelne Schauer. 

Die Höchstwerte reichen am Montag noch einmal bis knapp unter die 30-Grad-Marke, pendeln sich dann aber zunächst auf angenehmere Höchstwerte im 20er-Bereich ein. Eine neue Hitzewelle ist nicht ausgeschlossen, sie ist aber aus den aktuell vorliegenden Wetterdaten für unsere Region in absehbarer Zeit nicht erkennbar. Zeit zum Aufatmen. Allerdings lassen die Prognosen auch keinen flächendeckenden Landregen erkennen. Und der wäre jetzt dringend nötig, um die völlig ausgetrocknete Natur zu bewässern - und die Gefahr neuer Waldbrände einzudämmen. (JSt)