Nur noch eine Ruine: Das Haus Riviera und das Gesellschaftshaus. 
Foto: Nils-R. Schultze

Berlin-GrünauDie Befürchtungen des Ortsvereins Grünau sind wahr geworden: Von den Alt-Berliner Ausflugslokalen Riviera und Gesellschaftshaus stehen nur noch Außenmauern. Die Häuser wurden jetzt im Zuge des Umbaus zur Seniorenresidenz bis auf die Grundfesten geschliffen. 

Die Empörung beim Ortsverein Grünau ist groß. „Ich war am Sonntag an der Baustelle und habe alles fotografiert“, sagt Nils-R. Schultze, der wohl bekannteste Riviera-Retter. Seine Fotos hat er dem Abgeordneten Stefan Förster (FDP) geschickt, der auch Vorsitzender des Bezirksdenkmalsrats ist. „Die Gebäude sehen vollständig entkernt aus“, sagt Förster. Man wolle das Innere offenbar neu aufbauen – statt es zu erhalten.

Brand des Gesellschaftshauses im Juli 2019

Schultze notierte, was nach seinen Beobachtungen dem Bagger zum Opfer fiel. „Im Haus Riviera wurde die Decke im Innern entfernt, der Fußboden wird ausgebaggert, alle Nebengebäude sind abgerissen“, so Schultze. Nur die Riviera-Außenwände und das Dach stehen noch, alle historischen Details seien fort.

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Ein ähnliches Bild bietet sich im benachbarten Gesellschaftshaus: „Sogar die Decke des gut erhaltenden Saals und der Stuck wurden   entfernt“, sagt Schultze. Schon früher hatte er beklagt, dass nach dem Gesellschaftshaus-Brand vom Juli 2019 offenbar mehr Bausubstanz abgerissen worden sei als nötig. So sei etwa die Veranda des Gebäudes nach dem Feuer vollständig erhalten gewesen. Inzwischen ist sie verschwunden.

Der Projektentwickler Terragon AG hatte eigentlich zugesichert: Der Denkmalschutz soll beim Umbau der leerstehenden Gebäude zur Seniorenresidenz Priorität bekommen. Doch wie passt das zu den jüngsten Entwicklungen?

Zugeständnisse und schwammige Bedingungen?

„Das Problem ist aus meiner Sicht, dass die Behörden dem Bauherren weitgehende Zugeständnisse gemacht und die Bedingungen schwammig formuliert haben“, sagt Stefan Förster vom Denkmalrat.

Die Folge sei nun, dass von den Bauten fast nichts mehr stehe. Lernen könne man daraus, dass Bauherren präzise Denkmalschutzvorgaben in städtebaulichen Verträgen brauchen. Stefan Förster: „Was heißt zum Beispiel originalgetreue Restaurierung? Heißt es, dass   die historische Substanz gerettet wird? Oder heißt es, dass man abreißt und etwas Neues aufbaut, das dem Original ähnelt?“