Köln - Überall können Eltern nachlesen, wie sie in der Erziehung und Betreuung noch besser werden können. Dabei ist für Mama und Papa im vollgepackten Eltern-Alltag oft eher eine Frage viel wichtiger: Wie nur kann ich es mir ein bisschen leichter machen?!

So richtig offen zugeben mag das aber in der Regel keiner so richtig. Schließlich will man ja nicht den Eindruck erwecken, irgendetwas wächst einem über den Kopf. Oder man ist, Gott bewahre, eine unachtsame Mutter oder ein egoistischer Vater.

„Die Kinder gucken beim Zähne putzen Video“

Dabei ist es wie bei so vielem im Elternuniversum: Eigentlich geht es allen ähnlich. Und jeder hat diese Tage, an denen er oder sie die Reißleine zieht. Genau solche Beispiele erzählen sich gerade Eltern unter dem Hashtag #fauleeltern auf Twitter.

Sie „beichten“, was sie so tun, um sich das Leben mit Kindern einfacher zu machen.

Die Beispiele sind dabei sehr verschieden. Oft geht es darum, das tägliche Gemotze und Gezerre um die einfachen Rituale zu vermeiden. „Die Kinder gucken beim Zähne putzen Video“ schreibt ein User. Ein anderer erzählt: „Die Kinder hassen es, das Gesicht und die Haare zu waschen. Lassen wir also sein und gehen dafür einmal öfter ins Schwimmbad.“ Und eine Userin fügt hinzu: „Das Kind (2,5) findet Umziehen generell ziemlich blöd und mag auch keine Schlafsäcke. Also schläft sie einfach in den Tagesklamotten. Wolldecke drüber, fertig. Morgens wird nur gewechselt, was schmutzig ist.“

Eltern, die einfach mal liegen bleiben

Oder aber das Ziel ist, einfach mal ein bisschen Zeit für sich herauszuholen. „Kind darf am Wochenende morgens das Handy im Kindermodus mit ihren Apps haben. Bis wir ausgeschlafen haben. Kaum eine faule Entscheidung hat so viel zu unserer Lebensqualität beigetragen.“ berichtet ein User. „Wenn ich mal nicht arbeite, geht mein Kind trotzdem zur Tagesmutter. Und ich genieße Zeit für mich.“ erzählt eine andere. „Ich hab keine Lust mehr abends eine Stunde Einschlafgeschichten vorzulesen, das ist Quälerei, wenn man selbst schon so müde ist. 4 jähriger schläft auf dem Sofa unten ein, meist läuft die Glotze mit Tierdokus.“ schreibt eine andere.

Und dann gibt es auch noch viele Beispiele, die sich um den Umgang mit Haushaltstätigkeiten drehen. „Ich sortiere keine Socken, meine Kinder tragen alle bunt und gemischt.“, schreibt eine Userin. „Wenn ich koche, dann gern nur aus einem Topf. Das spart Abwasch und Aufräumerei.“, kommentiert eine andere.

Ist das wirklich „faul“ – oder ganz normal?

Gerade bei letzteren Beispielen wird auch klar, dass es eindeutig im Auge des Betrachters liegt, was man als „faul“ empfindet. Eine Userin schreibt unter dem Stichwort, dass sie Klamotten nicht selbst näht, sondern kauft. Das tun wahrscheinlich 90 Prozent der Eltern. Eine andere schreibt, dass sie nie bügelt. Oder einen Staubsauger-Roboter hat. Auch das ist sicher nicht so selten. Viele würden sich deswegen sicher nicht als „faule Eltern“ bezeichnen.

Manche sehen sogar in keinem der beschriebenen Beispiele Faulheit. „Vieles von dem Beschriebenen mache ich auch. Es müsste #stinknormalerelternkram heißen. Ich bin nämlich nicht faul. Ich gebe so viel wie ich kann und nehme mir Pausen, wenn ich sie brauche. Das ist keine Faulheit.“, schreibt eine Userin. „Wieder so ein # wo ich viele Beiträge von verschiedenen Twitterern lese und dann denke, äh ich mache das ALLES!?“, gibt eine andere zu. Ein User kritisiert, dass hier das Verhalten normaler Eltern als abnormal dargestellt werde: „Es ist nicht selbstverständlich in unserem gesellschaftlichen Spannungsgefüge von Ansprüchen an Eltern manche Dinge ganz entspannt zu sehen.“

Ob diese Dinge jetzt einfach als entspannte Normalität angesehen werden oder als heimliche Faulheit betrachtet – es muss sich niemand dafür schämen, es sich manchmal leichter zu machen. Ab und zu braucht man nämlich unbedingt dringend eine Pause. Im Gegenteil: Man könnte sich auch dafür loben. Schließlich tut man sich selbst etwas Gutes. Und ist dann mit Sicherheit danach ein viel gelasseneres Elternteil. Manche Ideen dieses Hashtags kann man also guten Gewissens als Alltagstipp ins eigene Leben übernehmen. Aber: Jeder wie er mag.