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Die Fashion Week ist zu Ende. Gemeinsam mit den Messen Bread & Butter, Premium und Show & Order war sie zumindest wirtschaftlich ein voller Erfolg. Rund 240.000 Gäste kamen nach Berlin und bescherten der Stadt einen Umsatz von gut 120 Millionen Euro. Und die Mode selbst?

Die zeigte in diesem Sommer vor allen Dingen eines: Mutig sind die Kleinen, die großen Marken setzten auf Braves, wohl um Einkäufer und Kundschaft in wirtschaftlich unsicheren Zeiten nicht zu verschrecken. Hier ein Überblick über die wichtigsten Trends und Akteure.

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DIE VERLÄSSLICHEN: Bei den großen Namen wie Hugo By Hugo Boss, Escada Sport, Laurèl und Blacky Dress dominierte ein ganz klassisches Frauenbild: Streng und zugleich ultrafeminin musste es auf dem Laufsteg sein. Körperbetonte Ensembles in den allgegenwärtigen Speiseeisfarben Orange, Mint und Limone lockerten die teilweise fast hart wirkende Eleganz zwar auf, konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele der Kollektionen versuchten, dem gehobeneren Massengeschmack entgegenzukommen. Als Ergebnis sah vieles aus, wie die aktuelle Sommerkollektion der H & M-Edelmarke COS.

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DIE MUTIGEN: Die kleinen Labels waren es, die sich trauten, einen eigenen Stil zu vertreten: Blame aus Berlin mit einer Kollektion, bei der die asiatischen Einflüsse stark hervortraten. Hannes Kettritz, einer der wenigen Designer für Herrenmode, zeigte eine frische und humorvolle Kollektion – petrolfarbene Anzüge, Jacken in derselben Farbe über leuchtenden Shorts und Oberteilkombinationen mit durchsichtiger Rückenpartie. Und Lena Hoschek, die erneut auf Folklore, diesmal aus Mexiko, zurückgriff, und ihrem klassischen Rockabilly-Stil damit eine ganz eigene Note verlieh: Frida Kahlo meets Mad Men.

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DIE LOCATIONS: Der Standort für das Zelt an der Siegessäule ist nur als stiefmütterlich zu bezeichnen. Bei apokalyptischen Witterungsverhältnissen konnte froh sein, wer im Shuttle des Veranstalters saß. Der Rest durfte sich über lange Fußmärsche, Schweißausbrüche und ewige Busfahrten freuen. Eine Zumutung. Eine zwar wenig überraschende Kollektion, wohl aber die schönste Offsite-Location hatte das Label Augustin Teboul, das in einer Altbauwohnung in Kudammnähe schwindsüchtige Gothic-Lolitas unter überbordenden Blumenbouquets dem Feierabend entgegenliegen, sitzen oder stehen ließ.

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DIE HAARE: Mussten vor allen Dingen eines sein: Lang. Es wurde geglättet, bis das Eisen glühte oder in sanfte Wellen gelegt. Hauptsache feminin.

DIE SCHUHE: Die Models schritten entweder auf flachen Sandalen, hauptsächlich aber wie in den Jahren zuvor auf hohen Hacken einher. Auch beim Schuhwerk nichts Neues. Maximal ein silbernes Käppchen veredelte die Zehenpartie wie zum Beispiel bei Blacky Dress. Die schönsten Schuhe zeigten Perret Schaad: Im Blockabsatz aus Plexiglas brach sich das Scheinwerferlicht in Spektral-Farben.

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MUSTER UND MATERIALIEN: Hier ging alles, was dem Frauenkörper schmeichelte. Chiffon, Seide, Satin, Stretch und Spitze mussten es sein. Die durften gerafft, gewickelt und drapiert werden, Hauptsache körpernah und formbetonend. Verzichteten die Designer auf monochrome Farbgebung in Mint, Orange oder Limone, kamen in erster Linie grafische Muster in strenger Symmetrie zum Einsatz.

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DIE GROSSE ÜBERRASCHUNG: Fehlte dieses Mal. War es im vergangenen Sommer die Niederländerin Iris van Herpen, die mit ihren Kreationen aus dem 3D-Laserdrucker die Grenzen zwischen Couture, Architektur und bildender Kunst aufhob, so blieben avantgardistische Ideen bei der diesjährigen Fashion Week im Sommer aus. Gezeigt wurde in erster Linie Tragbares im oberen Preissegment. Das war zwar alles so ordentlich durchdacht wie perfekt verarbeitet, doch zukunftsweisendes Design fehlte komplett. Über etwas mehr verrückte Ideen hätte man sich sicherlich gefreut.

Ausführliches zur Fashion Week

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