Templin/Potsdam - Bis Donnerstagmorgen hatte die FDP in Templin (Uckermark) noch 14 Mitglieder, doch am Abend traten acht von ihnen aus der Partei aus. Es ist nicht irgendein Ortsverband, sondern der des zweiten Mannes der Partei – Landtagsfraktionschef Andreas Büttner. Die Abtrünnigen werfen der Parteiführung im Land „Heuchelei und Selbstbeweihräucherung“ sowie Intrigen gegen die Vize-Parteichefin Linda Teuteberg vor.

Ausgetreten sind alle namhaften Mitglieder, darunter die drei Abgeordneten im Stadtparlament. Zu ihnen gehören der Ortsvorsitzende Alexander Genschow sowie der Direktkandidat für die nächste Bundestagswahl Oliver Sajons. „Der durch die FDP-Führung in Bund und Land zu verantwortende Verfall der Partei hat die FDP in eine ausweglose Situation gebracht“, heißt es in ihrer Erklärung. „Der Austritt war keine schnelle Bauchentscheidung“, sagt Genschow. „Die Idee treibt uns seit einem Jahr um.“

Eine ähnliche Aktion hatte im Frühjahr bundesweit für Aufsehen gesorgt, als in Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) – einer FDP-Hochburg mit 35 Prozent Wählerstimmen bei der Kommunalwahl – ein Teil der Mitglieder austrat.

„Es gibt einen großen Unmut an der Basis“, sagt der Uckermarker Direktkandidat Sajons. „Die Parteiführung im Bund macht weltfremde Politik, die nichts mehr mit den Wahlversprechen zu tun hat.“ Die Partei habe sich vom Koalitionspartner „erniedrigend vorführen lassen“, statt prinzipientreu zu sein und die Koalition zu verlassen. „Wir aber machen weiter Politik und behalten die Sitze im Stadtparlament.“