Erholungsgebiet oder potenzieller Wohnraum? Darüber möchte die FDP erneut entscheiden lassen.
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BerlinDiese Nachricht passt perfekt in das Jahr 2019 – ein Jahr, das in Berlin von heftigen Debatten um die richtige Wohnungspolitik geprägt war: Die FDP lanciert zum Jahresende einen neuen Volksentscheid, der die Bebauung des Randes des Tempelhofer Feldes doch noch ermöglichen soll. Die Abstimmung soll am Wahltag im September 2021 stattfinden.

Der Vorschlag ist aus mehreren Gründen geschickt. So hat sich die Stimmung in der Stadt seit der Abstimmung für die Freihaltung des gesamten Feldes vor fünf Jahren gedreht. Damals hatten  allenfalls Wahrsager Visionen einer wachsenden Stadt. Es schien einfach keine Notwendigkeit zur Bebauung des ehemaligen Flughafens zu bestehen. Stattdessen ließ sich prima mit dem Zugewinn an Erholungsqualität argumentieren, mit der Schaffung eines Alleinstellungsmerkmals, nach dem Motto: Wir können es uns leisten, eine 300 Hektar große Fläche mitten in der Stadt frei zu lassen.

Der Platz wird benötigt

Das ist vorbei. In Zeiten, in denen vielerorts in der Stadt über Nachverdichtung erbittert gestritten wird, kann das Tempelhofer Feld nicht per se unberührt bleiben. So haben selbstverständlich jene Bezirksbürgermeister recht, die sagen, dass sie nicht einmal im Traum darüber nachdächten, auch nur eine einzige Grünanlage bei sich im Kiez für Wohnungsbau zu opfern, solange das Tempelhofer Feld bleibe, wie es ist.

Und der FDP-Vorschlag ist geschickt, weil er nicht nach Oppositionsart auf die SPD eindrischt, sondern der Regierungspartei die Chance gibt, sich zur Randbebauung zu bekennen. Im Bündnis mit Roten und Grünen führt für die Sozialdemokraten kein Weg nach Tempelhof. Doch nach der Wahl ist das Feld weit.