Viele Berliner nutzen das Tempelhofer Feld als Spielplatz inmitten des Häusermeers. Jetzt gibt es eine neue Debatte über eine mögliche Bebauung.
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BerlinDie FDP versucht einen alten Vorschlag neu zu beleben. Die Liberalen wollen mithilfe eines Volksbegehrens erreichen, dass das Tempelhofer Feld am Rand mit Wohnungen bebaut wird. Der Volksentscheid von 2014, bei dem sich eine Mehrheit dafür aussprach, das Feld von jeglicher Bebauung freizuhalten, soll mit einem neuen Volksentscheid gekippt werden. „Wir streben mit dem Volksentscheid zum Wohnungsbau auf dem Tempelhofer Feld an, die Entscheidung über die zukünftige Entwicklung unserer Stadt in die Hände der Berlinerinnen und Berliner zu geben“, sagte FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja am Donnerstag. Die FDP spricht von 12.000 neuen Wohnungen, die am Rand des Feldes errichtet werden sollen – von städtischen Unternehmen, Genossenschaften und privaten Bauherren. An der Seite zur Stadtautobahn seien Gewerbeflächen vorgesehen. Das Feld ist aus Sicht der FDP eine „riesige Brachfläche“, wie sie in ihrem Gesetzesentwurf notiert.

Die frühere rot-schwarze Koalition wollte einst 4700 Wohnungen, Gewerbeflächen für bis zu 8000 Arbeitsplätze und einen Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek am Rand des Tempelhofer Feldes bauen, scheiterte damit aber 2014 am Widerstand der Berliner. „Gerettet wurde damit nicht eine ‚Brache‘, sondern ein Refugium für die
Stadtnatur, eine unerlässliche Frischluftressource, um die Folgen der Klimakrise zu mildern, und nicht zuletzt ein weitgehend kommerzfreier Ort für alle Bevölkerungsschichten zur freien Bespielung“, sagt die Linke-Abgeordnete Katalin Gennburg. Sie lehnt die FDP-Pläne ab. Statt des Tempelhofer Feldes sollten beispielsweise große Einzelhandelsfläche überbaut werden.

Grüne sprechen von Wahlkampfmanöver

Die Grünen stufen den Vorstoß der FDP als „Wahlkampfmanöver“ ein. „Der Wunsch der Berliner FDP, dass auch private Investoren auf dem Feld bauen können, zeigt, dass es gut ist, dass sie in Berlin keine Verantwortung für Stadtentwicklungspolitik hat“, sagt Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek. Wer Bauland verkaufen wolle, habe Berlin nicht verstanden. Die CDU äußert sich wohlwollend zum Vorstoß der FDP. „Wir sehen dort Stadtquartiere der Zukunft, ökologisch nachhaltig und bezahlbar für alle“, sagt CDU-Generalsekretär Stefan Evers. Eine Randbebauung sei Teil des Masterplans Wohnen der CDU. „Gemeinsam mit den Menschen wollen wir diese Vision entwickeln und in einer Volksabstimmung darüber entscheiden lassen“, sagt Evers.

Für die Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld, die den Volksentscheid 2014 organisierte, geht der FDP-Vorschlag „an der Realität vorbei“. Was die FDP als 'Brache' bezeichne, sei „die beliebteste Grünfläche Berlins“, so Initiativen-Sprecherin Mareike Witt. Während der Corona-Pandemie sei das Feld „für viele die Rettung vorm Lagerkoller“ gewesen, gerade für Familien mit Kindern. Nicht jeder wohne in einem Einfamilienhaus mit Garten, besonders nicht in Neukölln, Tempelhof und Kreuzberg.

„Seit dem Lockdown findet täglich Musik und Sport in organisierten und freie Gruppen auf dem Feld statt“, so Mareike Witt. Das Feld sei längst die wichtigste Fläche für den nicht vereinsgebundenen Sport in ganz Berlin geworden. „In diesem Sommer hatten wir an schönen Tagen bis zu 90.000 Besucher auf dem Feld“, so Witt. Eine Bebauung von einem Drittel des Feldes zerstöre - egal was die FDP auf dem verbleibenden Rest tun wolle – „die klimatische Funktion des Feldes und die bestehenden Naturschutzräume“.