Berlin - Die Terroranschläge in der Hauptstadt Frankreichs am vergangenen Freitag bedeuten für Berlins Sicherheitsbehörden mehr Arbeit. Die Leute werden nach schrecklichen Verbrechen wie in Paris sensibler und melden all das, was ihnen auffällt, sagt ein Polizeisprecher. „Wir nehmen jeden Hinweis ernst.“

Das taten Bundespolizisten am Montagmorgen auch. Gegen 9 Uhr hatte sich eine Frau in Tegel gemeldet und gesagt, dass sie den 26 Jahre alten Franzosen Abdeslam Salah gesehen habe. Nach dem mutmaßlichen Terroristen wird international gefahndet. Er soll an den Anschlägen in Paris aktiv beteiligt gewesen sein. Sie will ihn beobachtet haben, wie er in ein Flugzeug nach Luxemburg gestiegen ist. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Flugzeug mit der Flugnummer LG 9472 mit 49 Passagieren an Bord bereits auf dem Weg zur Startbahn. Die Bundespolizei ließ den Flug abbrechen und durchsuchte die Maschine. Der Mann war nicht an Bord.

Auch die Sprengstoffexperten der Polizei waren am Montag mehrfach im Einsatz. Bombenalarm gab es unter anderem am Kurfürstendamm und in der Brunnenstraße, für einem BVG-Bus am Alexanderplatz sowie vor dem französischen Kulturzentrums Maison de France am U-Bahnhof Uhlandstraße. „Das waren soviel Einsätze, wie schon lange nicht mehr“, sagten die Spezialisten. Mehrere verdächtige Objekte mussten bis zum Mittag überprüft werden. Sie enthielten keinen Sprengsatz. Doch lieber einmal mehr alarmiert als einmal zu wenig, sagen die Experten.

Zunächst stand ein Koffer in einem Parkplatz in der Rankestraße. Die Polizei öffnete ihn. Er war leer. Kurz darauf meldete ein Passant einen unbekannten Gegenstand. Er war in einem Poller ebenfalls in der Rankestraße deponiert worden. Am U-Bahnhof Uhlandstraße entdeckten Fußgänger ein verdächtiges Gerät, das als kaputter CD/DVD-Player erkannt wurde. Gegen 12.30 Uhr wurden die Entschärfer in die Jägerstraße in Mitte wegen einer Tasche gerufen. Nichts. Von da aus ging es zum Bahnhof Alexanderplatz. In einem Bus der Linie TXL war ein Koffer aufgefallen, ebenfalls kurz danach in der Bernauer Straße. Auch hier blinder Alarm.

Erhöhte Sicherheitsanforderungen gelten auch für die Weihnachtsmärkte, die derzeit aufgebaut werden. Die Veranstalter stehen im Kontakt zur Polizei. Thilo-Harry Wollenschläger organisiert den Markt vor dem Rathaus Spandau. „Wir wissen, dass es keine absolute Sicherheit gibt“, sagt er. „Wir raten den Besuchern, aufmerksam zu sein und jeden Verdacht unserem Personal zu melden“.