Potsdam - Frank Böhnke ist unzufrieden. So wie viele andere Fahrgäste erlebt er mit, wie die Regionalzüge immer voller werden. Und wie andere Pendler erwartet der Vize-Landeschef des Bahnkunden-Verbandes, dass die Politik konkrete Verbesserungskonzepte vorlegt. Was Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) jüngst vorstellte, überzeugt ihn nicht: „Viel Prosa, viel Konjunktiv, viele Allgemeinplätze.“

„Die Probleme sind seit Jahren bekannt, Untersuchungen gab es viele. Was fehlt, sind Entscheidungen“, so Böhnke. Die Zahl der Regionalzug-Fahrgäste habe sich von 1999 bis 2015 mehr als verdoppelt – auf 77,3 Millionen. Doch das Verkehrsangebot wuchs nicht mit. Diverse Strecken wurden beim Mauerbau unterbrochen und seitdem nicht wieder in Betrieb genommen.

Am Montag hatte die Ministerin über Nachfrageprognosen informiert. Sie wurden für die „Korridoruntersuchungen“ errechnet, in denen geprüft wird, wo Umlandverbindungen besser werden sollten.

„Handlungsbedarf besteht auf der Strecke nach Falkensee und Nauen“, so Schneider. „Für die Verlängerung der S-Bahn nach Nauen wird die höchste Nachfragesteigerung prognostiziert.“ Kosten: ab 250 Millionen Euro. Die S-Bahn würde die Regionalbahnlinien RB 10 und 14 ersetzen. Es sei aber unklar, ob dieses Konzept ausreicht. Darum soll geprüft werden, ob die Strecke und der Bahnhof Spandau ausgebaut werden sollten. Bislang hatte das Land eine S-Bahn abgelehnt.

Große Nachfragesteigerungen auf alter Stammbahn erwartet

Richtung Nordwesten blieb die Ministerin ebenfalls vage. Weiterhin stehe auf der Agenda, für den Prignitz-Express ein Gleis bis Berlin-Gesundbrunnen zu bauen, sagte sie. Aber auch die Verlängerung der S-Bahn nach Velten bleibe eine „Entscheidungsoption“. Nach Rangsdorf hält sich Schneider ebenfalls alle Varianten offen – mehr Züge auf der Linie RE 5, eine neue Station am Rolls-Royce-Werk Dahlewitz, S-Bahn-Verlängerung bis Rangsdorf.

Im Südwesten sei die Sachlage „besonders komplex“, hieß es. Große Nachfragesteigerungen werden für eine S-Bahn auf der alten Stammbahn erwartet – von Zehlendorf über Europarc Dreilinden nach Potsdam. Doch wenn auf der Stammbahn keine Regionalzüge fahren, würde die Linie RE 1 wohl nicht entlastet. Hier sei eine „vertiefende Gesamtverkehrsuntersuchung“ nötig. Für eine S-Bahn von Wannsee oder Teltow nach Stahnsdorf gebe es geringere Potenziale.

Alle Optionen sollen zudem nun erst einmal mit dem Land Berlin und der Deutschen Bahn erörtert werden. Geduld sei gefragt: Wenn es um Investitionen in die Infrastruktur gehe, müsse „der Zeitraum der nächsten 30 bis 40 Jahre in den Blick genommen werden“, so Schneider.