Fehler über Fehler bei der Planung für das Karstadt-Grundstück am Kudamm

Die Geheimsitzung des Baukollegiums war falsch. Berlins Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf Transparenz. Ein Kommentar.

Karstadt am Kudamm: Hier sollen ein bis zwei sogenannte Hochpunkte entstehen, die freundliche Beschreibung von vielleicht nicht ganz so hohen Hochhäusern.
Karstadt am Kudamm: Hier sollen ein bis zwei sogenannte Hochpunkte entstehen, die freundliche Beschreibung von vielleicht nicht ganz so hohen Hochhäusern.Benjamin Pritzkuleit

Es gehört zweifellos zu den wichtigen Entscheidungen der früheren Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), die Sitzungen des Berliner Baukollegiums in der Regel öffentlich abzuhalten.

Seit 2017 kann dadurch jeder interessierte Bürger verfolgen, wie wichtige Bauprojekte oder städtebaulichen Planungen in Berlin von den sechs Mitgliedern des Baukollegiums, alles externe Fachleute, bewertet werden. Das hat auf erfreuliche Weise für Transparenz gesorgt.

Die Tatsache, dass das Baukollegium ausgerechnet zur Gestaltung des Karstadt-Areals am Kudamm im vergangenen Jahr eine Geheimsitzung abhielt, war ein schwerer Fehler. Denn die Öffentlichkeit wurde damit von einem wichtigen Meinungsbildungsprozess ausgeschlossen.

Baukollegium sollte seine Haltung zu Hochhäusern ändern

Das Baukollegium hatte nämlich 2018 den Bau von Hochhäusern in dem Karstadt-Block noch eindeutig abgelehnt. In der Geheimsitzung ging es nun darum, einen Kompromiss zu finden zwischen der Ablehnung von Hochhäusern und einer danach abgeschlossenen Vereinbarung des Senats mit Signa, die den Bau von „ein bis zwei Hochpunkten“ auf dem Grundstück vorsah.

Aus Gründen der Transparenz wäre es wichtig gewesen, den Meinungsbildungsprozess des Baukollegiums öffentlich zu machen. Denn natürlich kann sich eine Meinung ändern. Es muss nur nachvollziehbar sein. Durch die nicht öffentliche Sitzung wurde das verhindert. Dass bei der Geheimsitzung mit Kees Christiaanse ausgerechnet jener Architekt als Mitglied des Baukollegiums mitreden durfte, dessen Architekturbüro im Jahr 2018 die Hochhauspläne von Signa im Baukollegium vorgestellt hatte, war ein weiterer Fehler.

Selbstverständlich hätte dessen Teilnahme aus Gründen der Befangenheit unterbunden werden müssen. Es ist bemerkenswert, dass er dies nicht selbst erkannt hat. Noch bemerkenswerter ist, dass es kein anderer erkannt hat.