Ämter ohne ausreichend Personal, Prominente ohne Steuermoral, Bauprojekte ohne Anwohner-Akzeptanz – in Berlin gibt es vieles, was diskutiert wird. Doch manchmal sind es die vermeintlich kleinen Dinge, die aufregen. Oder amüsieren. Zum Beispiel die Frage, an welchem Ort man sich gerade befindet. Straßenschilder können da hilfreich sein. Oder auch nicht.

Beispiel Tiergarten. „Seit Jahren laufe ich fast täglich an diesen Straßenschildern vorbei“, sagt Klaus Mancke. Doch erst jetzt sei ihm aufgefallen, dass mit den Schildern „irgend etwas nicht stimmen kann.“ Stimmt: Im Nachnamen von Katharina Heinroth, nach der das Ufer nördlich vom Zoologischen Garten benannt ist, fehlt tatsächlich ein „n“. 1974 erhielt der Abschnitt am Landwehrkanal den Namen der Wissenschaftlerin, die von 1945 bis 1956 den Wiederaufbau des Berliner Zoos leitete. Im Bauamt von Mitte ist man peinlich berührt. Im dortigen Reparaturverzeichnis sei weder eine Auswechslung noch eine Ergänzung des Schildes vermerkt, heißt es. Ist es also möglich, dass das „n“ seit der Benennung vor 20 Jahren fehlt? Schweigen. Jetzt wurde das fehlerhafte Schild erst mal abmontiert. Ein neues Schild werde demnächst beschafft, heißt es.

Beispiel Charlottenburg. Dort meldete sich jetzt das brandenburgische Örtchen Joachimsthal und pochte auf historische Rechte. Es geht um die Schreibweise einer der wichtigsten Straßen in Charlottenburg – der Joachimstaler Straße. Die führt vom Hardenbergplatz bis zur Lietzenburger Straße und schreibt sich ohne „h“. Dabei wurde sie 1887 nach Kurfürst Joachim Friedrich benannt, der zuvor in dem märkischen Örtchen ein Gymnasium einrichten ließ. Doch das „h“ aus Joachimsthaler Straße verschwand irgendwann. Die einen geben der Schusseligkeit eines Magistratsbeamten die Schuld, andere einer früheren Rechtschreibreform. Jetzt befasst sich das Bezirksparlament damit, ob die Straße ihre ursprüngliche Schreibweise wieder erhalten soll. Derzeit nicht diskutiert wird hingegen beim Kottbusser Tor in Kreuzberg. Das hieß (1789) Cottbusserthor oder Cottbusser Tor (1836). Schließlich gelangte man durch ein dortiges Stadttor in Richtung Cottbus. Erstmalig mit K schrieb sich der Platz 1893, endgültig seit 1926.

Beispiel Altglienicke. In dem Treptower Ortsteil gibt es seit 1997 die Dorothea-Erxleben-Straße. Geehrt wird damit die erste promovierte Ärztin Deutschlands (1715–1762). Ein Passant entdeckte im Herbst einen Fehler auf dem Ergänzungsschild: Der zweite Vorname lautete Christine statt Christiane, der Doktortitel fehlte. Zügig ließ das Tiefbauamt Treptow-Köpenick das Schild wechseln – um gleich den nächsten Fehler zu produzieren: Jetzt wurde Erxlebens Geburtsjahr mit 1515 angegeben. Niemandem fiel auf, dass die Ärztin 247 Jahre alt geworden wäre. Peinliche Geldverschwendung. Ein Straßenschild kostet 40 bis 60 Euro.