Berlin - Das letzte Mal passierte es am 10. Januar: Ein greller Sirenenton ertönte plötzlich in der Bernhard-Grzimek-Grundschule in Friedrichsfelde, dann erklang eine automatisierte Stimme aus der Amokalarmanlage: „Wir haben eine ernste Lage im Schulgebäude“, wiederholte die Stimme immer wieder. Insgesamt eine dreiviertel Stunde lang.

Wie im Notfallplan für die Schulen festgelegt, verschlossen die Lehrer mehrerer Lerngruppen daraufhin die Türen. Die Schüler krochen unter die Tische. Besonders verängstigt waren viele, weil sie noch die Bilder vom jüngsten Amoklauf an einer US-Grundschule im Kopf hatten. Erst nachdem angerückte Polizisten einen Fehlalarm festgestellt hatten, wurde der Alarm wieder aufgehoben. So ist das geregelt. Jetzt aber hat die Polizei die meisten Amokalarmknöpfe in der Schule außer Betrieb genommen. Denn bereits zuvor hatte es vier ähnliche Fehlalarme gegeben, jedes Mal rückte die Polizei an. „Das verstört unsere Kinder“, sagt Schulleiterin Marielle Rosemeyer.

Lichtenberg hat anders als andere Bezirke den Alarmknopf auch in den Klassenräumen installiert, nicht nur im Schulsekretariat und im Hausmeisterbüro wie in anderen Bezirken. Man wollte auf Nummer sicher gehen. Über ein Jahr lang fahndeten Polizei, Bezirk und Bildungsverwaltung nach der Ursache für die häufigen Fehlalarme.

„Das verstört unsere Kinder“

Man ging lange dem Verdacht nach, dass ein Mitarbeiter der Schule den Alarm mutwillig auslöst. Deshalb brachte man an Alarmknöpfen sogar Farbplomben an, um Missetäter per Fingerabdruck zu überführen. Doch nach dem jüngsten Vorfall meinen Polizisten nun, die Ursache gefunden zu haben. Demnach löste eine zugeschlagene Klassenzimmertür den Alarm aus.

„Es ist offenbar so, dass die Taste sehr erschütterungsempfindlich ist“, sagte Horst Heinzel von der Firma Heinzel, die schon viele Schulen mit Alarmsystemen ausgestattet hat. Andernorts problemlos. Hier aber reicht schon ein lauter Türknall. Man sei mit der Firma, die die Tasten hat produzieren lassen, „in ernsten Gesprächen“, sagte Heinzel. Bis Ende Februar müsse das Problem gelöst sein.

Farbplomben, um Missetäter zu überführen

Nach dem Amoklauf im schwäbischen Winnenden im März 2009 hatte Berlin veranlasst, alle Schulen mit Amokalarmsystemen auszustatten. Amokdrohungen an Berliner Schulen gehen indes zurück: Im Schuljahr 2009/10 wurden noch 63 Fälle erfasst, im vergangenen Schuljahr noch 17 und im laufenden Schuljahr vier. Das hängt offenbar damit zusammen, dass es unmittelbar nach Winnenden zahlreiche „Trittbrettfahrer“ gab und inzwischen auch die Internet-Hassseite „Isharegossip“ abgeschaltet worden ist.