Die Tage des Rathauses Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz sind gezählt: Mit dem Auszug des Bezirksparlaments aus dem vieleckigen Gebäude hat in der vergangenen Woche eine Ende der Nutzung durch den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf begonnen. Bis Ende 2014 wird das Haus geräumt, aus Kostengründen.

„Der Auszug geht zurück auf einen Beschluss des Bezirksamtes im vergangenen Jahr“, sagt Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD). Wegen Personalabbaus habe der Bezirk mittlerweile einen deutlichen Überschuss an Büros und auch Leerstand. „Wir haben im Rathaus Wilmersdorf pro Mitarbeiter 20 Quadratmeter Platz, das war viel zu viel“, sagt Naumann. Die Zielgröße in der Berliner Verwaltung liege bei elf Quadratmetern. Schweren Herzens habe das Bezirksamt deshalb beschlossen, sich von dem 70 Jahre alten Rathaus zu trennen. Die rund 500 Mitarbeiter, die derzeit dort arbeiten, werden auf andere bezirkliche Gebäude verteilt.

Drei Millionen Euro gespart

Abgesehen vom hohen Aufwand, der mit so einem Umzug einhergeht, lohnt sich das Ganze finanziell sehr. Durch den Auszug spare der Bezirk jedes Jahr rund drei Millionen Euro, sagt der Bezirksbürgermeister. „Wir verringern dadurch unser Haushaltsdefizit deutlich.“ Das sei auch dringend nötig, schließlich habe der Bezirk im vergangenen Jahr mehr Geld ausgegeben als zunächst eingeplant.

Wer von den betroffenen Mitarbeitern wohin ziehen wird, steht noch nicht im Detail fest. „Das passiert bis zur Sommerpause“, sagt Naumann. Klar ist aber bereits: Es wird ein kleines Umzugskarussell in Gang gesetzt. Die Mitarbeiter werden vor allem in das benachbarte Bürogebäude am Hohenzollerndamm 177 ziehen sowie in das 3,5 Kilometer entfernte Rathaus Charlottenburg in der Otto-Suhr-Allee.

Dort sind die ersten Neulinge bereits eingetroffen. Ab April wird dort jeden Monat die Bezirksverordnetenversammlung tagen, das Bezirksparlament. Seinen angestammten Platz räumen muss wiederum das Bürgeramt, es soll künftig in den Wilmersdorfer Arcaden residieren, einem Einkaufszentrum in der Wilmersdorfer Straße.

Haus geht an das Land Berlin

Was mit dem ausgemusterten Rathaus am Fehrbelliner Platz geschieht, das während der NS-Zeit für die Deutsche Arbeitsfront gebaut worden war, steht noch nicht endgültig fest. „Wir geben das Haus an das Land Berlin zurück“, sagt Bezirksbürgermeister Naumann. Das Land hatte zunächst erwogen, das Gebäude zu verkaufen, nun aber sind die Pläne andere: Man sucht nach landeseigenen Nutzern.

Damit liegt die Zuständigkeit jetzt bei der Berliner Immobilienmanagement GmbH, kurz BIM, einem landeseigenen Unternehmen, das für die Nutzung Berlin-eigener Gebäude verantwortlich ist. Im Gespräch sei derzeit, dass der Landesrechnungshof aus seinem Haus An der Urania ins Rathaus Wilmersdorf zieht, sagt eine BIM-Sprecherin. Das werde derzeit geprüft. Allerdings sei das Haus sehr groß, vermutlich müsste es noch weitere Nutzer geben.