Dieses Berliner Hoffest am Dienstagabend war nicht das erste von Michael Müller, aber das erste, bei dem er als Regierender Bürgermeister im Mittelpunkt stand. Und bei dem er die wesentliche Tradition von Klaus Wowereit, seinem Vorgänger in der Gastgeberrolle, weiter pflegte. Dabei hätten die mehr als 3000 Gäste ganz sicher gut auf das regnerisch kalte Wetter, inzwischen eine Spezialität des Hauses, verzichten können. Müller selbst gab eine trotzige Parole aus: „Wir lassen uns die Laune nicht verderben!“

Womit er ja vielleicht nicht nur das Wetter meinte, sondern auch den alle Jahre wieder als Spielverderber auf den Plan tretenden Bund der Steuerzahler, dessen Berliner Vorsitzender Alexander Kraus pünktlich zum Hoffest die Finanzierung kritisierte. Ihm sind dabei besonders die Berliner Landesunternehmen wie die BVG und die BSR ein Dorn im Auge, die sich als Sponsoren an der Finanzierung des Festes beteiligten. Er sprach sich dafür aus, Landesunternehmen, die in diesem Jahr nach seinen Berechnungen mehr als 80.000 Euro zum Fest beisteuerten, vom Sponsoring auszuschließen.

BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta, die mal wieder demonstrativ bestens gelaunt gelbe BVG-Herzen an Festgäste verteilte, kann mit diesem Vorschlag gar nichts anfangen: „Wir sind ein Unternehmen der Stadt und nutzen die Gelegenheit, hier mit einem kleinen Stand im Jubiläumsjahr ,150 Jahre Straßenbahn„ zu werben.“ Gastgeber Müller selbst betonte, dass viele Gäste sich als Ehrenamtliche Verdienste erworben hätten, bei denen man sich mit dem Hoffest für die geleistete Arbeit bedanke.

In den Höfen des Roten Rathauses und um den Amtssitz Müllers herum gab es auch diesmal wieder allerlei an kleinen Unterhaltungsprogrammen, darunter ein von der Bar jeder Vernunft spendierter Auftritt von Rebecca Carrington und Colin Brown sowie Darbietungen der Kinder vom Cabuwazi (was ja die Abkürzung für den „Chaotisch bunten Wanderzirkus“ ist). Unter den Berliner Köchen, die sich an der Verköstigung der Tausenden beteiligten, waren Markus Semmler, Holger Zurbrüggen und Kolja Kleeberg.

Zurbrüggen konnte bei dieser Gelegenheit gleich darauf hinweisen, dass er ab September mit dem „Balthazar 2“ ein Lokal in der Nachbarschaft des Rathauses am Spreeufer im Nikolaiviertel betreiben wird. Kleeberg kämpfte mit vegetarischen Beiträgen gegen den Hunger der Meute an. Einer davon, seine indische Tomatensuppe mit Süßkartoffeln und Kaschmirknäcke, wird er auch in der kommenden Saison des Restauranttheaters Palazzo auftischen.

Aus dem Zelt der Berliner Meisterköche waren früh am Abend ungewöhnliche Töne zu hören. Das demonstrativ laute Abspielen der britischen Hymne „God save the Queen“ begründete Gastronom Hans-Peter Wodarz so: „SIE ist gerade in Berlin gelandet!“