Berlin ist Spitze – wenn es um schmutzige Luft geht. Drei Berliner Straßen führen die Liste an, in der das Umweltbundesamt die Straßen mit der höchsten Feinstaubbelastung in Deutschland aufführt. In einem Fall ist die Luft sogar so stark mit den schädlichen Teilchen belastet, dass Berlin dort als einzige deutsche Stadt den Grenzwert der Europäischen Union reißt – erstmals seit 2015.

Es handelt sich um die Silbersteinstraße in Neukölln. Dort wurde seit Jahresbeginn bereits an 36 Tagen mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen. Dabei darf dieser Wert pro Jahr maximal an 35 Tagen überschritten werden.

In der Frankfurter Allee in Friedrichshain schwebte in diesem Jahr bisher an 33 Tagen zu viel Feinstaub in der Luft. Der dritte Platz geht an die Karl-Marx-Straße in Neukölln, wo der Tagesmittelwert für Feinstaub seit Anfang Januar an 30 Tagen das zulässige Maß überschritten hat.

Gesundheitsrisiko Feinstaub

Die Menschen in Europa würden im Durchschnitt zehn Monate länger leben, wenn sie nicht so viel Feinstaub einatmen müssten, hat die Weltgesundheitsorganisation ermittelt. Wer den Partikeln lange ausgesetzt ist, trage ein höheres Risiko, an Herz, Kreislauf und Atemwegen zu erkranken.

Zwar ging die Belastung der Berliner Luft mit Feinstaub allein von 1989 bis 2015 um 86 Prozent zurück, so der Senat. So wurden nach der Wende im Osten Berlins viele Fabriken geschlossen, und die anfangs kritisierte Umweltzone hat berlinweit dazu beigetragen, dass Kraftfahrzeuge mit hohen Abgaswerten aus dem Verkehr gezogen wurden.

Ein Viertel stammt aus Auspuffen

Wie kam es trotzdem zu der hohen Belastung? „Die ausgeprägten Hochdruckwetterlagen im Februar/ März und Oktober/November 2018 gingen mit einem geringen Luftaustausch einher“, erklärte Dorothee Winden, Sprecherin von Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). Das habe dazu geführt, dass die hier entstandenen Emissionen schwächer verdünnt wurden als sonst.

„Hochdruckwetterlagen gehen in Berlin zudem sehr häufig mit Ostwinden einher, so dass vorbelastete kontinentale Luft einströmt. Feinstaub kann über Hunderte Kilometer getragen werden, so dass auswärtige Quellen zu der erhöhten Konzentration in Berlin wesentlich beitragen.“ Verschmutzte Luft wehe vor allem aus Osteuropa hierher. Eine Analyse des Senats für 2015 ergab, dass 62 Prozent des Feinstaubs außerhalb von Berlin entstanden ist. An 26 Prozent ist der Berliner Kraftfahrzeugverkehr schuld.

„Gesund bleiben nur bei Sturmlagen – was für ein populistisches Missachten unserer Gesundheit, und das aus grünem Hause“, kommentierte Heinrich Strößenreuther von der Initiative Clevere Städte. Er forderte, den Radverkehr stärker zu fördern.