Kurz vor dem Jahreswechsel wird es spannend. Wird Berlin auch in diesem Jahr die Vorgaben für saubere Luft verfehlen – oder nicht? Seit Anfang Januar schwebte bereits an 35 Tagen mehr Feinstaub in der Berliner Luft als die Europäische Union (EU) für zulässig hält. Mehr Tage mit Grenzwertüberschreitungen sind pro Kalenderjahr nicht erlaubt. Um die Berliner Luft zu verbessern, verlangt der Senat ab 2016 höhere Umweltstandards für Baumaschinen.

Feinstaub: Das sind mikroskopisch kleine Teilchen, die der Gesundheit zusetzen. Wer großen Konzentrationen länger ausgesetzt ist, trägt ein höheres Risiko, an Herz, Kreislauf oder Lunge zu erkranken. Pro Kalenderjahr darf an höchstens 35 Tagen mehr als 50 Millionstel Gramm (Mikrogramm) Feinstaub in einem Kubikmeter Luft schweben.

Im vergangenen Jahr meldeten die Berliner Messstellen bis zu 48 Tage, an denen dieser Wert überschritten wurde. In diesem Jahr waren es weniger, so das Umweltbundesamt. An der Frankfurter Allee in Friedrichshain wurde bis Sonnabend an 35 Tagen zu viel Feinstaub gemessen – Rekord in Berlin. An der Silbersteinstraße gab es 29 Überschreitungstage, an der Karl-Marx-Straße (auch in Neukölln) 26 Tage.

Verkehr ist eine Feinstaubquelle

Auch wenn Berlin die Latte am vierten Advent noch nicht gerissen hat: Zu den Städten mit der höchsten Luftbelastung gehört es dennoch weiterhin. In diesem Jahr gab es nur in Stuttgart (54) und in Weimar (43) mehr Tage mit zu viel Feinstaub.

Der Verkehr ist eine Feinstaubquelle. In Berlin stammt jedoch ein Teil der gefährlichen Partikel aus polnischen Kraftwerks- und Fabrikschloten. Weht der Wind aus Osten, werden sie nach Berlin getragen. Inversionswetterlagen, bei denen es kaum Austausch zwischen den Luftschichten gibt, erhöhen die Belastung. Doch in diesem Herbst wurden oft „austauschintensive und windige Wetterlagen“ festgestellt, hieß es in der Verwaltung. Derzeit herrsche eine Westströmung vor.

Erst kurz vor dem Jahreswechsel wird ein Hochdruckgebiet über Skandinavien erwartet, das Wind aus Nord- und dann aus Südosten einströmen lässt – aus Polen. Wenn dann die Silvester-Böllerei zu einer zusätzlichen Feinstaubbelastung führt, könnte Berlin den Grenzwert doch noch reißen. Aber das sei zum jetzigen Zeitpunkt Spekulation.

Weitergehende Fahrverbote sind nicht geplant

Falls das Land Berlin erneut die Vorgabe für saubere Luft verfehlt, muss es trotzdem keinen Ärger mit der EU erwarten. Die Kommission hat ihr Verfahren gegen Berlin 2014 ausgesetzt. Sie konzentriert sich auf Polen und Bulgarien, wo die Belastung höher ist. Auf ihren Antrag soll der Europäischen Gerichtshof feststellen, dass die Länder die Grenzwerte nicht eingehalten haben.

Um den Dieselrußausstoß in Berlin weiter zu begrenzen, fordert der Senat für Baumaschinen auf öffentlichen Baustellen vom 1. Januar 2016 an erhöhte Umweltstandards. Bagger und Lader müssen das Abgasniveau von neuen Maschinen erreichen. Älteres Gerät muss mit Partikelfiltern nachgerüstet werden.

Weitergehende Fahrverbote für Autos sind nicht geplant, auch keine Ausdehnung der Umweltzone. Die meisten Ausnahmegenehmigungen endeten vor einem Jahr, weitere Emissionsverminderungen seien „nicht erreichbar“, so der Senat.