NRW war „unschön“, aber jetzt wird entschlossen nach vorn geschaut: Die Berliner SPD mag sich für die Bundestagswahl im September nach wie vor keine Sorgen machen – trotz der dritten Wahlniederlage in Folge für die Sozialdemokraten unter ihrem neuen Bundesvorsitzenden und Kanzlerkandidaten Martin Schulz.

Es gebe nach dem Saarland, Schleswig-Holstein und nun noch Nordrhein-Westfalen ein „Jetzt-erst-recht“-Gefühl in der Partei, gerade auch unter den Hauptstadt-Genossen, sagt die Sprecherin des Landesverbands Berlin, Birte Huizing, am Montag. Die Berliner stellen am kommenden Sonnabend, als letzte große Partei, ihre Bundestagsliste auf.

Etliche Woche

Und als wollte sie ihre Tapferkeit vor dem Herbst noch einmal beweisen, hat sich die engere Führungsspitze um Partei- und Senatschef Michael Müller nun auch auf einen Vorschlag für die ersten fünf Plätze dieser Bundestagsliste geeinigt. Warum das so schwer war und sich über etliche Wochen hinzog, bleibt dabei ein Geheimnis. Denn die SPD rechnet nach wie vor mit acht sicheren Mandaten im höchsten deutschen Parlament.

So viele waren es auch 2013 – die Reihenfolge der ersten fünf ist da eigentlich eher zweitrangig. Dennoch will der geschäftsführende Landesvorstand keine offizielle Wahlempfehlung verabschieden, wie es etwa die CDU vorgemacht hat. Sondern „wir gehen davon aus“, erklärte Sprecherin Huizing, dass die Reihenfolge unangefochten durchkommt.

Die Liste lautet demnach jetzt so: Spitzenkandidatin ist, wie gehabt, die Juristin und Innenpolitikerin Eva Högl aus Mitte, auf dem zweiten Platz steht der Spandauer Bildungs- und Finanzexperte Swen Schulz. Den dritten Platz soll auf Empfehlung der Parteispitze Cansel Kiziltepe aus Friedrichshain-Kreuzberg erhalten, was auch schon die einflussreiche Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) mit knapper Mehrheit empfohlen hatte. Platz 4 erhält der Pankower Energie- und Wohnungsexperte Klaus Mindrup, den fünften Platz wiederum die Gesundheitspolitikerin Mechthild Rawert aus Tempelhof-Schöneberg. Alle fünf sind bereits jetzt im Bundestag.

Zwei Youngster aus dem Osten

Dann aber wird es spannend, zumindest nach innerparteilichen Maßstäben: Denn der Platz 6, nach dem Reißverschlussprinzip einem Mann vorbehalten, wird mutmaßlich hart umkämpft sein. Verteidigen will ihn Fritz Felgentreu aus Neukölln, der seinen Wahlkreis 2013 direkt gewann und vor allem auf Lokalkompetenz setzt. Haben möchte die Position wiederum der Ex-Kulturstaatssekretär und Musik-Unternehmer Tim Renner aus Charlottenburg-Wilmersdorf.

Und er ist nicht der einzige: Denn zwei Youngster aus dem Osten, der 32-jährige Kevin Hönicke aus Lichtenberg und der 27-jährige Dmitri Geidel aus Marzahn-Hellersdorf, wollen ebenfalls Listenplatz 6 erobern. Im Estrel Convention Center, wo der Parteitag stattfindet, könnte es daher auf dieser Position mehrere Wahlgänge geben – und auch auf Platz 8, den der bisherige Bundestagsabgeordnete Matthias Schmidt aus Treptow-Köpenick behalten will.

Wenn er Pech hat, muss er gegen die drei Unterlegenen von Platz 6 antreten. Davor, auf dem Frauenplatz 7, wird auf Wunsch der Parteiführung die Friedens- und Menschenrechtspolitikerin Ute Finckh-Krämer aus Steglitz-Zehlendorf landen, ebenfalls Bundesparlamentarierin seit 2013. Doch ihr wird auch zugetraut, schon auf Platz 5 einzusteigen.