Berlin - Die industrielle Produktion der Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ zeigt nicht nur auf dem Bildschirm Schicksale, die einen rühren können. Auch in der Realität geht es jenen Darstellern, die von den Fabrikhallen auf dem Studiogelände in Babelsberg ausgespuckt wurden, weil die Geschichten ihrer Rollen zu Ende erzählt wurden oder ihre Beliebtheitswerte steil nach unten zeigten, oft gar nicht gut.

In einem Lokal am Schlachtensee wird man gelegentlich von einem der aussortierten Schauspieler bedient (und er freut sich wirklich, wenn man ihn nicht erkennt). Ein anderer GZSZ-Hauptdarsteller lenkt inzwischen große Passagierflugzeuge im Linienverkehr. Er hatte die Serie nur als Möglichkeit benutzt, um das Geld für die sehr teure Pilotenausbildung aufzubringen.

GZSZ in der beruflichen Biografie funktioniert nur als Empfehlung für ähnlich gelagerte Produktionen. Die schätzen es, mit Leuten zu arbeiten, die unter Zeitdruck nicht zusammenbrechen. Ansonsten lautet für viele, die in der RTL-Dauerläuferserie mal auf der Besetzungsliste standen, die Devise: Gras drüber wachsen lassen! Je weniger sich Caster und Regisseure an das Engagement erinnern, desto besser.

Nicht jeder beweist direkt nach dem Ausstieg so viel Geschick bei der Auswahl der nächsten Projekte wie Felix Isenbügel. Der ist seit Ende 2010 nicht mehr als Bundeswehr-Ausbilder Carsten Reimann in der Serie zu sehen. Nach seinem GZSZ-Ende stürzte er sich in ein krasses Kontrastprogramm: Sein Projekt „Faust-Rausch“ – auf CD und live – verbindet klassische Literatur und elektronische Musik. Die Idee dazu hatte er bei einer „Faust“-Aufführung des Wiener Burgtheaters. Und weil er die Idee hatte, gönnte er sich die beste Rolle und spricht den Mephisto. Außerdem spielt der 26-Jährige im Berliner Kriminaltheater in Stücken wie „Die Mausefalle“ (wieder am 4..8.) und „Der Name der Rose“ (19..8.). Derzeit weilt er in London bei einem Filmworkshop eines BBC-Regisseurs. Er sagt: „Ich habe es keinen Moment bedauert, bei GZSZ ausgestiegen zu sein.“