Er tötete sie, weil sie sich trennen wollte: Ehemann von Zohra Gul angeklagt

Die Afghanin hatte Schutz vor ihrem gewalttätigen Mann gesucht. Im April tötete er sie mit 13 Messerstichen auf offener Straße. Jetzt hat die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben.

Die Mahnwache im April 2022 für die ermordete afghanische Mutter setzte ein Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen.
Die Mahnwache im April 2022 für die ermordete afghanische Mutter setzte ein Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen.Berliner Zeitung/Markus Waechter

Mit 13 Messerstichen hat ein Mann in Pankow seine Ehefrau getötet. Der Mord an der sechsfachen Mutter Zohra Gul ereignete sich am 29. April auf offener Straße und schockte durch seine Brutalität selbst erfahrene Polizisten. Jetzt hat die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 42-jährigen Mann erhoben – wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen.

Der Grund für die Tat: Die Afghanin wollte selbstständig leben. Sie und ihr ebenfalls aus Afghanistan stammender Ehemann waren in einer Flüchtlingsunterkunft in Pankow untergebracht. Allerdings hatte man ihm bereits Hausverbot erteilt, weil er mehrfach gewalttätig gegen die Frau geworden war. Gegen ihn lagen bereits drei Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt und Körperverletzung vor.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte, soll der Mann im Jahr 2008 in Afghanistan die damals 17-Jährige nach islamischem Recht geheiratet haben. In den Folgejahren bis 2019 gingen aus dieser Ehe sechs gemeinsame Kinder hervor.

Weil das Gericht nicht tätig wurde, konnte die Polizei nicht handeln

Den Ermittlungen zufolge erwartete der Mann, dass die Frau sich ihm unterordnete. Als das Paar dann in Deutschland war, drängte Zohra Gul immer nachdrücklicher auf ihre Selbstständigkeit und verlangte schließlich auch die Scheidung. Sie widersetzte sich seinen Vorgaben an eine gemeinsame Lebensführung und unterhielt angeblich Kontakte zu anderen Männern.

Angeblich ließ Zohra Gul ihn die gemeinsamen Kinder nicht so häufig sehen, wie er verlangte. Zudem fühlte er sich durch die Trennungsabsicht der Frau gekränkt. Deshalb, so die Ankläger, reifte in ihm der Entschluss, die Frau mit dem Tod zu bestrafen. In der Maximilianstraße lauerte er ihr mit einem 30 Zentimeter langen Messer auf, stach auf sie ein und schnitt ihr die Kehle durch.

Eine Frauenrechtsorganisation äußerte danach Kritik an der Polizei und den Behörden, weil die Tat aus ihrer Sicht zu verhindern gewesen wäre. Zwei Wochen zuvor hatte die Frau beim Familiengericht Pankow einen Antrag auf einstweilige Anordnung gestellt, um dem Mann nach dem Gewaltschutzgesetz ein Kontaktverbot zu erteilen. Doch solange keine gerichtliche Anordnung vorliegt, kann die Polizei einen Gewalttäter lediglich aus der Wohnung wegweisen – und das nur für maximal zwei Wochen. In einem Frauenhaus, in dem Zohra G. anonym hätte Schutz finden können, war offenbar kein Platz.