Ferienende naht: Flughäfen fürchten Gepäckchaos am Wochenende

Das Ferienende naht, und damit die Angst vor einem erneuten Chaos bei der Gepäckbewältigung am Flughafen Tegel. Denn am Wochenende werden viele Urlauber per Flugzeug nach Berlin und Brandenburg heimkehren. Zehn Prozent mehr Starts und Landungen erwartet die Flughafengesellschaft (FBB).

Verzeichnet der Flughafen Tegel an normalen Wochenenden einschließlich des Freitags im Schnitt 165.000 Fluggäste, werden es an diesem Wochenende voraussichtlich 225.000 sein. In Schönefeld erwartet die FBB einen geringeren Anstieg: 123.000 statt 107.000 Passagiere.

2000 Gepäckstücke warten auf ihre Besitzer

In der vergangenen Woche hatten gleich mehrere Vorkommnisse in Tegel zu großen Problemen mit dem Gepäck geführt. An den Flughäfen München und Frankfurt hatte es Sicherheitspannen gegeben. Das hatte zum Ergebnis, dass viele Fluggäste ohne ihr Gepäck nach Berlin gebracht wurden. Die Koffer und Taschen wurden anschließend mit anderen Flugzeugen nachgeliefert und konnten deshalb nicht gleich von den Fluggästen abgeholt werden.

Die Gepäckflut staute sich im Tegeler „Baggage Service Center“ auf, 8000 Stücke sollen es am Ende gewesen sein. Jedes musste dann einzeln den Passagieren zugeordnet und ausgehändigt werden. Inzwischen arbeiten die sogenannten Bodenverkehrsdienstleister dort in drei statt zwei Schichten, um den Berg abzutragen. Wenn nicht wieder ein Problem wie in der vergangenen Woche auftritt, soll die Arbeit kommende Woche erledigt sein. Noch sollen es aber gut 2000 Gepäckstücke sein, die auf Abholung warten.

Der zweite Engpass gerade in Tegel war das ohnehin knappe Personal. Die Hitze, vom sonnendurchglühten Beton des Vorfelds verstärkt, brachte die Mitarbeiter zusammen mit der hohen Gepäckmenge an ihre Leistungsgrenze.

Aushilfen nicht auf die Schnelle

Die Bodenverkehrsdienstleister hatten der Gewerkschaft verdi zufolge zeitweilig mit Krankenquoten von bis zu 28 Prozent bei den Firmen der Wisag zu kämpfen, bei Aeroground, einem Tochterunternehmen des Flughafens München, sollen zeitweise vier von zehn Mitarbeitern krank gewesen sein. Das führte dazu, dass Passagiere zwei Stunden und länger warten mussten, bis ihr Gepäck endlich auf dem Band erschien. Vereinzelt musste die Bundespolizei anrücken, um die Gemüter zu beruhigen.

Eigentlich sollte der erste Koffer 15 Minuten nach dem Anlegen der Ladebrücke auf dem Band sein, der letzte Koffer nach 35 Minuten. So steht es in den Verträgen der Firmen mit der Flughafengesellschaft. Aber das sei gerade am Ferienende kaum zu halten, gesteht die FBB zu.

Schnell, neue Leute anwerben, sei schwierig

Sie will angesichts der offenkundigen Personalnot der Gepäckfirmen von diesem Donnerstag an mit zehn eigenen Leuten aushelfen, die sonst die Arbeiten nur kontrollieren.

Auf die Schnelle neue Leute anzuwerben, sei schwierig, teilte Wisag mit: Die Bewerber müssen zunächst eine Sicherheitsprüfung durch die Bundespolizei durchlaufen und angelernt werden.

Die Bewerberzahlen um einen Arbeitsplatz bei der Gepäckverladung sind angeblich überschaubar. Die Arbeit ist hart, bei Urlaubsflügen müssen aus einem Flugzeug bis zu vier Tonnen Gepäck ausgeladen werden. Urlauber haben in der Regel mehr Gepäck dabei als Geschäftsreisende, die „Kofferquote“, wie die FBB sie nennt, ist derzeit höher als der Jahresdurchschnitt von 80 Stück auf 100 Passagiere. Engelbert Lütke Daldrup, der Chef der FBB, spricht von einer Verdoppelung.

Flughafen Tegel kommt an seine Grenzen

Der Flughafen Tegel birgt darüber hinaus bauliche Grenzen. Im sechseckigen Hauptgebäude muss das Gepäck unterhalb der Bänder von den Transportwagen geladen werden, und die dafür zur Verfügung stehenden Flächen sind relativ klein. Mehr Menschen, die dort arbeiten, würden sich am Ende nur gegenseitig im Weg stehen.

Der Flughafen Tegel, 1974 in Betrieb gegangen, war eben nur für sieben Millionen Passagiere errichtet worden und ist trotz seiner Erweiterungsbauten am Rande seiner Leistungsfähigkeit: 2016 musste er 21,6 Millionen Fluggäste bewältigen. In diesem Jahr werden es trotz des Verschwindens von Air Berlin voraussichtlich 20 Millionen sein.