Endlich Ferien! Endlich spielen, ohne auf die Uhr schauen zu müssen. Endlich mal rumhängen ohne Hausaufgabendruck. Die Erzieher vom Otto-Spielplatz, einem betreuten Spielplatz im Grünzug zwischen Turmstraße und Alt-Moabit, spüren den Stimmungswandel, der seit Donnerstag in ihrer Oase herrscht.

Für die ersten Ferientage halten sie sich daher zurück mit großen Projekten. „Es steht das freie Spiel im Vordergrund“, erzählt der Leiter des Teams, Bernd Brunner. „Die Kinder sollen Luft holen und Muße haben, herauszufinden, was sie eigentlich wollen.“ Die Zeit der Schüler sei heutzutage so verplant durch Ganztagsschule, Musikschule, Sportverein, dass sie am Tag kaum zwei Stunden freie unverplante Zeit haben. Erst in den Ferien, wenn das alles ruht und nicht Eltern wie Lehrer den Tag für sie durchstrukturieren, ergäbe sich die Chance für die Kinder, selbst Ideen zu entwickeln und den eigenen Interessen nachzuspüren.

Herrlicher Matsch

Die Angebote auf dem „Otto“ sind vielfältig: Bolzplatz, Tischtennisplatten, Bänke und Tische zum Quatschen und Malen, Fahrräder, Klettergerüst, Rutsche, viel Sand, eine Pumpe, herrlicher Matsch. Die Spiele-Ausleihe in dem Häuschen, in dem auch die Toiletten und Aufenthaltsräume für schlechtes Wetter sind, wird rege genutzt. Es sitzen ein paar Eltern am Rand und schauen ihrem Nachwuchs zu. Aber es sind wenige, meist von ganz kleinen Kindern. Die Mütter und Väter im Kiez wissen, dass sie ihre Kinder hier unbesorgt alleinlassen können.

Gegen Ende des Monats Juli kommt zum freien Spiel ein etwas gezielteres Angebot hinzu, dass am Eingang aushängt und auf der Webseite nachgelesen werden kann. So steht ab 27. Juli für eine Woche jeden Tag von 15 bis 18 Uhr gutes Essen auf dem Plan. Dazu wird eine Sommerfeldküche eingerichtet, die Kinder dürfen Gemüse schnippeln, lernen Brennnesseln als Nutzpflanzen kennen, werden die selbst angebauten Kräuter aus dem Kräutergarten verkosten, Brotaufstriche herstellen und Picknick machen. Vielleicht macht man auch zusammen einen „gesunden“ Einkauf in der Umgebung, wenn Kinder Lust dazu haben.

Außerdem entsteht neben der jetzt schon sehr beliebten Pumpe, an der Kinder planschen und Wasserräder kreisen, ein sechs Meter hoher Wasserturm. Viele Ideen, was dieser neue Turm können sollte, stammen von den Kindern selbst, die von Anfang an in das Projekt miteinbezogen waren. Die Potsdamer Firma „Stock und Stein“ errichtet die fantasievolle Anlage, die sicher das Highlight des Spielplatzes werden wird. Ab dem 3. August lassen sich die Bauleute täglich von 15 bis 18 Uhr von den Kindern helfen. Brunners Augen leuchten, wenn er mit großen Gesten ausmalt, wie das vonstatten gehen wird.

Ein Haus aus Kleinholz

Seine Schützlinge werden den Wasserlauf aus Beton mitgestalten, dürfen Stein- und Mosaikarbeiten erledigen, nehmen von sich gegenseitig Gesichtsabdrücke. Aus den Masken werden dann Wasserspeier geformt und später an das fertige Wasserhaus montiert.

Wasser ist ohnehin ein großes Thema auf dem 5 000 Quadratmeter großen Otto-Spielplatz. In diesem Sommer werden die Betreuer den Kindern beibringen, wie man einen Springbrunnen zum Sprudeln bekommt, eine Wasserrakete startet und Wasserleitsysteme aus Dachrinnen und Röhren baut.

Der Leitspruch von Bernd Brunner, Sozialpädagoge seit 20 Jahren, ursprünglich Werkzeugmacher und Ingenieur: „Gebt Kindern ein Haus, und sie machen Kleinholz daraus. Gebt ihnen Kleinholz, und sie machen ein Haus daraus.“

Die Ergebnisse früherer gemeinsamer Basteleien mit den Kindern – darunter ein Solarkocher mit beeindruckendem Parabolspiegel – stehen im Rund der Anlage und werden von Neugierigen eifrig untersucht. Gerade in den Ferien kommen viele Kinder, die nicht zum Stammpublikum des Spielplatzes gehören. Darunter sind sogar Kinder aus anderen Bundesländern, die in Berlin Ferien machen. Mit dem Otto-Spielplatz haben sie einen tollen Start in die Sommerferien erwischt. Jetzt muss nur noch sechs Wochen lang die Sonne scheinen.