Der Zentrale Omnibusbahnhof Berlin bekommt immer mehr Konkurrenz. Nachdem die Deutsche Bahn (DB) vor dem Bahnhof Südkreuz in Schöneberg eine Fernbusstation eingerichtet hat, hält sie jetzt nach zusätzlichen Standorten Ausschau. „Ideen sind da“, sagte Jan Nöppert, der bei DB Station & Service das neue Geschäftsfeld entwickelt. Ziel sei es, vor weiteren Bahnstationen in Berlin Fernbusse halten zu lassen. Der Hauptbahnhof gehört dazu. „Hier sind wir bereits in Gesprächen, ob sich da mehr machen ließe“, berichtete Nöppert.

Die Anfänge sind unspektakulär. Ein Wetterschutzhäuschen mit Sitzbank, ein Mülleimer, eine Vitrine mit Fahrplänen und ein Schild: So sieht sie aus, die Fernbusstation am Südkreuz. Doch der unscheinbare Bus-Stopp, den die Bahn im Januar auf dem Hildegard-Knef-Platz eingerichtet hat, entwickelt sich prächtig – und dürfte seine fünfstelligen Investitionskosten bald wieder einspielen. „Er wird erstaunlich gut angenommen. Im Juni hielt zum 3000. Mal ein Fernbus“, sagte Nöppert.

Billig, weil mautfrei

Für dieses Jahr werden rund 15.000 Halte erwartet, für das kommende Jahr kalkuliert die Bahn mit 25.000. Derzeit verlangt sie am Südkreuz von den Busbetreibern für jeden Stopp acht Euro netto – der Vorplatz gehört ihr. Am Zentralen Omnibusbahnhof kassiert die BVG 13 Euro, zu Stoßzeiten 15,50 Euro.

Momentan halten Busse von drei Unternehmen insgesamt bis zu 60 Mal pro Tag am Südkreuz. Das Unternehmen Mein Fernbus fährt nach Rügen, Warnemünde, Leipzig, Dresden, München sowie über Nacht nach Köln. Berlinlinienbus, ein DB-Unternehmen, und Flixbus steuern ebenfalls Dresden an. Dorthin brauchen die Busse zwar eine halbe Stunde länger als die Bahn, die ebenfalls am Südkreuz hält, die Fahrkarten sind aber schon ab fünf Euro pro Weg zu haben. Kein Wunder: Busse dürfen Straßen, Autobahnen sowie Rastplätze kostenlos nutzen – für Züge werden hohe Trassen- und Stationsentgelte fällig, und die Personalkosten sind höher.

„Noch im Sommer kommt dann als vierter Betreiber ADAC Postbus dazu“, sagte Nöppert. Gut möglich, dass es bald zwei Haltebuchten gibt.

Auch am Ostbahnhof und am Bahnhof Schönefeld halten Fernbusse. Ob der Hauptbahnhof und andere Stationen dazu kommen, wird nun geprüft. „Am Hauptbahnhof gehören der DB nicht mehr viele Flächen, und für einen großen Teil des Umfelds gibt es bereits andere Konzepte“, gab Nöppert zu bedenken.

Zudem wünsche der Senat in diesem Teil der Innenstadt, der fern jeder Autobahn liegt, keine weiteren Fernbusse. Derzeit fährt lediglich der Intercity-Bus der Bahn vom Europaplatz nach Wrocław (Breslau).

Doch auch der Hauptbahnhof passe in die Strategie: „Wir wollen unsere Bahnhöfe noch stärker zu Verkehrsdrehscheiben ausbauen – mit vielen unterschiedlichen Angeboten“, sagte der Bahn-Manager.

Der Zentrale Omnibusbahnhof am Messedamm in Charlottenburg sei ebenfalls für die Bahn interessant. Wie berichtet würde sie die betagte Anlage übernehmen, wenn die Bedingungen stimmen. Nöppert: „Wir haben nun die ersten Gespräche mit dem Senat terminiert.“